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Bundesrat Alain Berset, links, und Bundesratspraesident Guy Parmelin, schreiten zur Medienkonferenz im Anschluss an die woechentliche Sitzung des Bundesrates, um die neusten Massnahmen zur Bewaeltigung der Krise um die Pandemie des Coronavirus COVID-19 zu erlaeutern, am Mittwoch, 17. Februar 2021 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

«Sieht so ein Diktator aus?» Guy Parmelin (r.) nahm seinen Kollegen Alain Berset in Schutz. Bild: keystone

Kommentar

Vorsichtig und mutig zugleich: Der Bundesrat wagt den Corona-Spagat

Der Bundesrat hat einen Öffnungsfahrplan vorgelegt. Er will angesichts der fragilen Pandemielage nichts überstürzen. Das ist richtig und beinhaltet dennoch ein Risiko.



Der Gewerbeverband ist nicht zufrieden. Für ihn gehen die geplanten Öffnungen am 1. März viel zu wenig weit. Die Gastronomie ist erst recht sauer. Sie darf wohl frühestens an Ostern – teilweise – öffnen. So sieht es der Bundesrat vor, der heute einen detaillierten Weg aus dem Teil-Lockdown skizziert hat.

Definitiv entscheiden wird er erst in einer Woche und nach Rücksprache mit den Kantonen. Die schrittweisen Lockerungen aber machen Sinn. Sie nehmen Rücksicht auf die anhaltend instabile epidemiologische Lage. Die Fallzahlen sinken tendenziell, aber nur langsam, und die mutierten Varianten des Coronavirus sorgen für zusätzliche Unsicherheit.

Highlights der Bundesrats-PK

Video: watson

Einfach abwarten konnte die Landesregierung nicht, dafür sind der Druck von Seiten der Wirtschaft und der wachsende Überdruss in der Bevölkerung zu gross. Sie plant deshalb einen ersten und vor allem vorsichtigen Schritt am 1. März: Die Läden sollen mit beschränkter Kapazität wieder öffnen, ebenso Museen oder die Aussenbereiche von Zoos.

«Junge bezahlen hohen Preis»

Sport und andere Freizeitaktivitäten sollen ebenfalls wieder möglich sein, besonders für die Jungen. Sie leiden stark unter den Einschränkungen aufgrund der Pandemie. «Die Jungen bezahlen einen hohen Preis», sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Eher bemüht wirkten hingegen die Durchhalteparolen von Bundespräsident Guy Parmelin.

Schwierig bleibt es so oder so. Die Neuinfektionen entwickeln sich ziemlich genau nach den Berechnungen der Taskforce, und die gehen von einem erneuten Anstieg in den nächsten Wochen aus, wegen den mutierten Varianten. Gleichzeitig kommen die Impfungen schleppend voran. Erst etwas mehr als 100’000 Personen wurden in der Schweiz zweimal geimpft.

Deshalb ist der Plan des Bundesrats gleichzeitig vorsichtig und mutig. Die Schweiz geht mit den geplanten Öffnungen am 1. März weiter als die meisten europäischen Länder und damit ein Risiko ein. Nur schon die Ausweitung der privaten Treffen im Freien von 5 auf 15 Personen sorgt für eine Vermehrung der Kontakte und der Ansteckungsgefahr.

Wirte müssen warten

Vielleicht steht der Bundesrat deshalb bei der Gastronomie auf die Bremse. Die Restaurants sollen erst vor Ostern öffnen, und auch dann nur auf der Terrasse. Dafür müssen klar definierte Richtwerte bei den Infektionen und der Auslastung der Spitäler erfüllt sein. Bei einer Verschlechterung könnte eine Öffnung der Gastrobetriebe in weite Ferne rücken.

Das geschlossene Restaurant Schluessel-Zunft in Basel, am Montag, 11. Januar 2021. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Hier geht vorerst nichts. Bild: keystone

Dies kann ein Anreiz sein für die Bevölkerung, die gerne wieder auswärts essen oder ein Bier trinken möchte. Für die betroffenen Wirte aber ist es brutal. Viele haben bereits aufgegeben. Für jene, die ausharren, müssen die Kantone endlich Entschädigungen zahlen. Finanzminister Ueli Maurer hat dafür erneut Geld in die Hand genommen.

Der Bundesrat riskiert mit seinem Öffnungsplan einen Spagat auf dem Hochseil. Die Absturzgefahr ist beträchtlich. Wenn die Bevölkerung die Signale richtig deutet, kann er gelingen. Sonst ist der Plan vielleicht schon am nächsten Mittwoch Makulatur.

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