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Die Pille für den Mann scheiterte bislang an zu wenig Forschungsgeldern. Bild: Shutterstock

Warum nur 2 dieser 8 Verhütungsmethoden für Männer wirklich funktionieren

Gibt es neben dem Kondom eigentlich noch andere Wege für Männer, um zu verhüten? Eigentlich schon, aber es gibt ein Problem.



Empfängnisverhütung ist Frauensache. Zumindest scheint dieser Schluss nahe, wenn man sich ansieht, welche Möglichkeiten Frau und Mann haben, um sich vor ungewünschtem Nachwuchs zu schützen.

Für Frauen gibt es rund ein Dutzend Verhütungsmittel, bei Männern gibt es ... zwei. Den Koitus Interruptus zählen wir an dieser Stelle mal nicht dazu. Frauen tragen in unseren Breitengraden seit der Einführung der Pille zu einem grossen Teil die Verantwortung in Sachen Verhütung, auch finanziell. Der Ruf nach einer gerechten Verteilung dieser Bürde wird jedoch immer lauter, und mittlerweile gibt es auch einige erfolgsversprechende Aussichten für den Mann. Wir stellen Sie euch vor.

Kondome

ARCHIVBILD ZUR MK DES BAG ZUR ENTWICKLUNG DER HIV-ZAHLEN UND ANDERER SEXUELL UEBERTRAGBARER KRANKHEITEN, AM MONTAG, 7. OKTOBER 2019 - A condom and packaging, photographed on February 1, 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler)..Ein Kondom und Verpackung, aufgenommen am 1. Februar 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Fangen wir bei einer etablierten Verhütungsmethode für den Mann an. Das Kondom: Jeder kennt es, jeder weiss, wie man es verwendet. Oder zumindest sollte es jeder wissen. Schliesslich mussten wir alle mal in einer mehr als peinlichen Schulstunde ein Kondom über eine Banane ziehen.

Kondome gibt es bereits seit über hundert Jahren und sie sind eigentlich auch relativ sicher. Trotzdem haben sie nur einen Pearl-Index von 2-12. Der Pearl-Index beschreibt die Anzahl Frauen, die trotz Verwendung eines Verhütungsmittels in einem Jahr schwanger werden.

Richtig verkehrt 🔄
Wie verhütet eigentlich die Schweiz? Warum gibt es keine hormonellen Verhütungsmittel für den Mann? Und hat man früher tatsächlich die Hoden in Eiswasser getunkt , um keine Kinder zu kriegen? In unserer Storyserie «Richtig Verkehrt» gehen wir Fragen zum Thema Verhütung auf den Grund. Und wir wollen auch von dir lieber User, liebe Userin wissen: Wie verhütest eigentlich du?

Mehr dazu findest du hier.

Das heisst: Von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit dem Kondom verhüten, werden durchschnittlich zwei bis zwölf Frauen schwanger. Der Grund für dieses schlechte Rating liegt nicht am Kondom an sich, sondern am schlechten Umgang damit. Wie man es richtig macht, erfährst du hier.

Wenn man das Kondom richtig benutzt, ist es ein sehr sicheres Verhütungsmittel. Ausserdem schützt es nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Deswegen: Immer ein Kondom benutzen, wenn man mit neuen Partnern Sex hat!

Vasektomie

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Sieht schmerzhaft aus, ist es aber nicht: die Vasektomie. Bild: Shutterstock

Die zweite Methode im Bunde der etablierten Verhütungsmittel ist die Vasektomie, also die Sterilisation des Mannes. Dabei werden die Samenleiter durchtrennt und der Mann so unfruchtbar gemacht.

Diese Entscheidung sollte nicht leichtfertig getroffen werden: Eine Vasektomie kann zwar rückgängig gemacht werden, dazu bedarf es jedoch eines relativ schwierigen Prozesses: einer Refertilisierung. Diese ist jedoch nicht immer erfolgreich. Eine andere Option wäre, Spermien vor dem Eingriff einfrieren zu lassen.

Die Vasektomie gilt als eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt: Mit einem Pearl-Index von 0,1 steht sie ganz oben auf der Liste.

Testosteron-Spritze

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Bild: Shutterstock

An dieser Stelle verlassen wir die aktuell erhältlichen Verhütungsmittel für den Mann und wechseln auf die Forschungsebene: 1970 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Programm zur Geburtenkontrolle gestartet. Sieben Taskforce-Gruppen widmeten sich den Verhütungsmethoden für die Frau und eine für den Mann.

Schon damals wollte man ein Mittel finden, damit die Verantwortung der Familienplanung nicht mehr nur bei der Frau liegt. Neben der WHO hat die amerikanische NPO Population Council und zwei Pharmaunternehmen die Forschung für ein männliches Verhütungsmittel finanziert.

Das Forscherteam arbeitete an einer Methode, mit der man mit Testosteron die Spermien unterdrücken kann. 2006 folgte dann die grösste Studie zur männlichen Verhütung. Alle acht Wochen bekamen die männlichen Studienteilnehmer eine Injektion aus Testosteron gespritzt. In einem zweiten Schritt erhielten sie ein Gel mit Gestagen.

Spirale, Vaginalring, Lecktuch – wer erkennt alle Verhütungsmittel?

Video: watson/lea bloch

Diese Hormon-Methode funktioniert gleich wie bei der Frau: Die Steuerhormone im Hirn sollen unterdrückt werden, sodass die Hoden nicht angeregt werden und Testosteron oder Spermien bilden. Das Resultat bei den Studienteilnehmer sah erfolgversprechend aus: 96 Prozent hatten keine Spermien mehr. 4 Prozent weniger als die gewünschte eine Million.

Die Sache hatte aber einen Haken: Zehn Prozent der Männer klagten über Nebenwirkungen. Sie fühlten sich niedergeschlagen, antriebslos, klagten über Libido-Verlust und Gewichtszunahme. Es sind dieselben Nebenwirkungen, die die Frauen seit 60 Jahren plagen.

Aufgrund dieser beschriebenen Nebenwirkungen, entschied die WHO, die Studie abzubrechen. Seither hat sie sich aus der Finanzierung der Forschung an einem Verhütungsmittel für den Mann zurückgezogen. Auch die Pharmaindustrie verlor das Interesse.

Die Pille

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Noch immer wird an der Pille für den Mann getüftelt. Bild: ZDF

Andere Forscherinnen wollten jedoch nicht so leichtfertig aufgeben. So startete eine Endokrinologin, die an der Testosteronstudie beteiligt war, den Versuch für eine Pille für den Mann.

Vom Prinzip her gleich, sollen Testosteron und Gestagen dafür sorgen, dass keine Spermien gebildet werden. Die Dosis sollte dabei so angepasst werden, dass keine Nebenwirkungen mehr auftreten. Derzeit finden Studien dazu statt, doch aufgrund fehlender finanzieller Mittel dürfte es noch mindestens zehn Jahre dauern, bis die Pille für den Mann marktreif ist.

Der Thermo-Slip

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In Frankreich näht eine Männergruppe Thermo-Slips – auch sie selbst verhüten mit dieser Methode. Bild: ZDF

Das dauerte einer Männergruppe aus der Bretagne zu lange: Sie verhüten bereits seit Jahren komplett ohne Hormone. Sie haben einen Slip entworfen, dank dem der Mann mit der thermischen Methode verhüten kann.

Der Thermo-Slip enthält ein Loch. Der Penis und die leere Hodenhaut wird durch dieses gezogen. Die Hoden-Eier werden dadurch in den Bauchraum gestossen und dort auf die Körpertemperatur erwärmt. Diese Wärme schadet den Spermien und die Spermaproduktion nimmt ab. Um dies zu erreichen, muss der Mann den Slip 13 bis 15 Stunden am Tag, während mehreren Monaten tragen.

Klingt nicht sehr angenehm, wirkt aber: Bei Untersuchungen von Spermaproben unter dem Mikroskop wurde festgestellt, dass die Spermien ihre Schwänzchen verloren haben und somit nicht mehr schwimmen konnten.

Das Samenleiter-Gel

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In Indien steht das Samenleiter-Gel kurz vor der Zulassung. Bild: ZDF

In Indien wird bereits seit den 70er-Jahren an einem Verhütungsmittel für den Mann geforscht. Dies mit dem Ziel, der Überbevölkerung Herr zu werden. Im Vergleich zu den USA ist man bereits einen Schritt weiter: Das Gel «Risug» steht kurz vor der Zulassung im indischen Markt und wird bereits mit klinischen Versuchen getestet. Es wird in den Samenleiter injiziert und beschichtet dessen Innenwände. Dadurch können die Spermien den Kanal schlechter durchschwimmen.

Zusätzlich ist das Gel negativ und positiv geladen, sodass die Spermienköpfe zerstört werden. 97 Prozent der Teilnehmer wurden unfruchtbar, keiner von ihnen hatte Nebenwirkungen. Der grosse Nachteil des Gels: Der Eingriff kann noch nicht rückgängig gemacht werden. Neue Studien sollen aber daran arbeiten. Denn wirkt die Injektion dauerhaft, ist sie nicht genug profitabel.

Vitamin-A-Methode

Karotten

Bild: Shutterstock

Auch dieses Verhütungsmittel wurde bereits in den 60er Jahren getestet und sogar für wirksam befunden. Und es funktioniert ganz ohne Hormone.

Vitamin A wird im Hoden durch ein Enzym in Retinsäure umgewandelt. Das Enzym ist für die Spermienbildung notwendig. Fehlt dieses Enzym, wird der Mann unfruchtbar. Forschern ist es gelungen, durch eine chemische Substanz, damals «Win» genannt, die Bildung von Retinsäure zu verhindern.

Das Problem: «Win» hemmt ein ähnliches Enzym, das für den Abbau des Alkohols in der Leber verantwortlich ist. Das führt dazu, dass sich die Männer schlecht fühlen würden, wenn sie in Kombination mit «Win» Alkohol trinken würden. Deshalb wurde die Studie vor 60 Jahren eingestellt. Trinkt der Mann keinen Alkohol, wäre diese Substanz sehr effektiv. Mittlerweile wurde die Forschung in diesem Gebiet wieder aufgenommen und man tüftelt an Methoden, bei der die Umwandlung des Vitamin A nur in den Hoden blockiert wird.

Das Samenleiterventil

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quelle: bimek-SLV

Zuletzt ist das Samenleiterventil an der Reihe. Eine Erfindung eines deutschen Tischlers namens Clemens Bimek, die eigentlich schon erhältlich sein sollte. Mit diesem Ventil kann der Mann durch Kippen des Schalters selber entscheiden, ob er fruchtbar ist oder nicht. Das funktioniert von aussen, durch die Haut des Hodensacks. Liegt der Schalter Richtung Körper, also nach oben, ist das Ventil geschlossen. Liegt er Richtung Unterkörper, ist es geöffnet. Durch Umlegen des Schalters ist man(n) jedoch nicht sofort steril: Es geht drei bis sechs Monate, da noch Reste von Ejakulat mit Spermien abgebaut werden müssen. Legt man den Schalter wieder um, soll man jedoch innerhalb 24 Stunden wieder fruchtbar sein.

Bis jetzt ist Bimek der Einzige, der ein solches Ventil in sich trägt. Er hat es sich 2009 implantieren lassen. 2016 suchte er Probanden für eine Testphase. 20 bis 25 Personen wurden gesucht – über 800 aus der ganzen Welt haben sich gemeldet. Doch es kam nie zur Studie, da Bimek das Geld fehlt. Und ohne Studie gibt es auch keine Zulassung.

Ein Problem, dass sich durch alle potentiellen Verhütungsmittel für den Mann zieht. Pharmaunternehmen wollen kein Geld für Forschung in die Hand nehmen. Dabei gibt es Umfragen, die belegen, dass viele Männer durchaus gewillt wären, die Verhütung zur Männersache werden zu lassen.

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