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So hat sich die (falsche) Meldung über den «Impftoten» verbreitet



Diese Woche meldeten diverse Medien, dass ein 91-Jähriger fünf Tage nach einer Corona-Impfung gestorben sei. Die News verbreitete sich wie ein Lauffeuer und schürte Ängste.

Erst später wurde klar, dass sein Tod nichts mit der Impfung zu tun hatte. Wie hat sich diese Meldung überhaupt verbreitet? Ein Blick auf den Ursprung der Nachricht lohnt sich.

So verbreitete sich die Information

Wie der Tagesanzeiger berichtet, erschien die Information über den Todesfall erstmals am Dienstag in Social-Media-Kanälen bekannter Impfkritiker und Corona-Skeptiker. So beispielsweise auf dem Twitter-Kanal dieser Berner Psychiaterin:

Der 91-Jährige Mann sei zu diesem Zeitpunkt erst seit wenigen Stunden tot gewesen, berichtet der Tagesanzeiger weiter.

Am Mittwochmorgen erschien schliesslich der erste ausführliche Bericht im Onlinemedium «Zeitpunkt». Der Autor Christoph Pfluger engagiert sich für das Referendum gegen das Covid-19-Gesetz und wurde in vergangenen Monaten von diversen Medien mehrmals als Corona-Skeptiker und -Verharmloser bezeichnet. Wie kam es, dass genau er diese Todesnachricht als erster so detailliert verbreitete?

Ein anderer Corona-Skeptiker, Daniel Stricker, hat gemäss eigenen Angaben eine E-Mail eines mit dem Fall betrauten Arztes erhalten. Auf Anfrage des Tagesanzeigers wollte er den Absender der E-Mail nicht nennen, betonte aber, dass diese echt sei. Der Heimarzt des betreffenden Pflegeheim wollte gegenüber der Zeitung keine Stellung nehmen.

Wie der Arzt in der E-Mail schreibt, habe er den toten Körper des Mannes noch nicht untersucht und auch die Arzneimittelbehörde SwissMedic noch nicht informiert. Zuerst versandte er diese E-Mail an Stricker und weitere Empfänger - aus welchem Grund, ist unklar. Von da an war die Verbreitung der Neuigkeiten nicht mehr aufzuhalten.

So reagierte Swissmedic

Gestern Abend äusserte sich schliesslich Swissmedic in einer Medienmitteilung zu diesem Vorfall:

Auf Social-Media-Kanälen und Informationsplattformen kursiert die Meldung über den Tod einer 91-jährigen Person im Kanton Luzern, nachdem sie sich gegen Covid-19 impfen liess. Abklärungen der kantonalen Gesundheitsbehörden und von Swissmedic haben ergeben, dass aufgrund der Krankengeschichte und des Krankheitsverlaufs ein Zusammenhang zwischen dem Tod und der Covid-19-Impfung höchst unwahrscheinlich ist.

Swissmedic

Weiter schreibt Swissmedic in ihrer Mitteilung, der Mann habe an mehreren schweren Vorerkrankungen gelitten. Christoph Pfluger beschreibt dies in seinem Artikel etwas anders: «Nach Informationen des Heimarztes ist der Verstorbene vor der Impfung angesichts seines hohen Alters in ordentlichem Zustand und nicht krank gewesen. Zudem: Bei einer schweren Erkrankung wäre eine Impfung kontraindiziert gewesen.»

Auf Nachfrage von watson bestätigt Swissmedic, dass der Luzerner an schweren Vorerkrankungen gelitten habe, dass sie aber aufgrund des Patientenschutzes keine genauere Auskunft geben dürften. Sie betonen aber, dass der Todesfall mit grösster Wahrscheinlichkeit nur zeitlich und nicht kausal mit der Impfung in Zusammenhang stehe.

Daraufhin hat watson telefonisch bei Christoph Pfluger nachgefragt, woher die Informationen stammen, auf die er sich in seinem Artikel bezieht. Pfluger bestätigt, dass auch er diese E-Mail des betreffenden Heimarztes erhalten und sich anschliessend telefonisch mit ihm unterhalten habe.

Gemäss des Heimarztes, sei es dem Patienten vor der Impfung den Umständen entsprechend gut gegangen, erzählt Pfluger. Zudem sei der Begriff «Vorerkrankung» seiner Meinung nach sehr unscharf – vor allem im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Ganz konkret beantwortete Pfluger die Antwort also auch nicht.

Schliesslich wollte er mit seinem Artikel aber auch auf eine andere Problematik aufmerksam machen, wie er im Telefonat betont. Pfluger behauptet, dass das Impfteam den älteren Mann ohne genügende Abklärungen impfen liess und dass das Heimteam den Heimarzt nicht über die Impfaktion informiert habe. Dieser habe nämlich gewusst, dass der 91-Jährige in Vergangenheit negativ auf Grippe-Impfungen reagiert habe.

Dieser Fakt sei in den später publizierten Artikeln unterschlagen worden.

Genaue Informationen über die Todesursache des Patienten liegen der Öffentlichkeit aber nicht vor. Swissmedic schreibt lediglich:

«Die zur Verfügung stehenden, umfassenden Angaben weisen auf eine natürliche Todesursache hin. Dies wurde auch so auf dem Totenschein vermerkt.»

Gemäss Swissmedic scheint eine allfällige Unverträglichkeit gegenüber der Grippeimpfung keinen Einfluss auf die Todesursache gehabt zu haben.

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