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The Wuhan Huanan Wholesale Seafood Market, where a number of people related to the market fell ill with a virus, sits closed in Wuhan, China, Tuesday, Jan. 21, 2020. Heightened precautions were being taken in China and elsewhere Tuesday as governments strove to control the outbreak of the coronavirus, which threatens to grow during the Lunar New Year travel rush. (AP Photo/Dake Kang)

Hier soll alles seinen Lauf genommen haben: der Wuhan Huanan Seafood Market. Bild: AP

Heute vor einem Jahr wurde gemeldet: «Mysteriöse Lungenkrankheit in Wuhan ausgebrochen»

«Mysteriöse Lungenkrankheit in Wuhan ausgebrochen»: So lautete eine Meldung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor genau einem Jahr. Seither ist so einiges passiert. Eine kleine Zeitreise durch die Berichterstattung des letzten Frühjahres.



31. Dezember 2019: Vor 365 Tagen war die Welt noch eine andere. Es überkam einen noch kein Klaustrophobie-ähnlicher Anfall, wenn man sich Filmszenen mit grossen Menschenmassen anschaute und die wahrscheinlichste Antwort, wenn jemand von epidemiologischen Lagen und Inzidenzen sprach, war wohl: «Gesundheit».

Doch genau heute vor einem Jahr nahm eine der grössten Krisen der neueren Geschichte ihren Lauf. Zumindest in den Schweizer Medien. Denn am 31. Dezember 2019 schrieb die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die auch watson beliefert, folgende Meldung:

«Mysteriöse Lungenkrankheit in Zentralchina ausgebrochen.»

Keystone-SDA

So obskur es wäre, unserem damaligen Vergangenheits-Ich zu erzählen, wie unser Leben in einem Jahr aussehen würde, ist es, mit unserem jetzigen Wissensstand die ersten Meldungen über das Coronavirus zu lesen. Eine kleine Zeitreise.

31. Dezember 2019: Erste Meldung aus China

Im ersten Bericht über die «mysteriöse Lungenkrankheit» schrieb Keystone-SDA Folgendes:

«Die ‹Volkszeitung› trat Gerüchten im Internet entgegen, wonach es sich um einen neuen Ausbruch der Lungenseuche Sars handeln könnte.»

«Die Gesundheitskommission berichtete, viele der Infektionen könnten auf den Besuch des Huanan-Fischmarktes von Wuhan zurückgeführt werden.»

«Die Symptome seien vor allem Fieber. Wenige Patienten hätten Probleme mit der Atmung. Die Fälle werden als virale Lungenentzündung behandelt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder eine Infektion des medizinischen Personals sei noch nicht entdeckt worden, stellte die Behörde fest.»

1. Januar 2020: «Lungenkrankheit in China ausgebrochen»

Am 1. Januar dieses Jahres folgte bereits die zweite Meldung aus China. watson hat diese übernommen und so das erste Mal über das Coronavirus berichtet. Berichte über Repressionen der Polizei aus Wuhan machten die Runde:

«Wegen der Verbreitung falscher Informationen im Internet mit negativen gesellschaftlichen Auswirkungen wurden acht Menschen festgenommen, wie die Polizei von Wuhan am Mittwoch mitteilte.»

6. Januar: «WHO beobachtet mysteriöse Lungenkrankheit in China – 59 Patienten»

Am 6. Januar hat sich erstmals die Weltgesundheitsorganisation WHO eingeschaltet: «Die WHO verfolgt die Situation aufmerksam und steht in engem Kontakt mit den nationalen Behörden in China.» Die Nachrichtenagentur schrieb:

«Gut 120 Menschen stünden derzeit unter Beobachtung. Hongkong hat unterdessen erste Vorsichtsmassnahmen ergriffen: Am Flughafen wurden Fieber-Messgeräte installiert. Reisende aus Wuhan werden gesondert kontrolliert. In der chinesischen Sonderverwaltungsregion sind bisher 16 Verdachtsfälle gemeldet.»

9. Januar: Die «Tagesschau» berichtet

Besonders sehenswert ist ein «Tagesschau»-Beitrag vom 9. Januar 2020. Zum ersten Mal wird dort über die «mysteriöse Lungenkrankheit aus China» berichtet. Dabei hiess es noch, dass man nicht davon ausgehe, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertragen lässt «und dass die Ansteckungsgefahr relativ klein ist».

Hier nachzuschauen:

Video: watson

20. Januar: «Mysteriöse Lungenkrankheit breitet sich in China aus»

Nicht nur in China, sondern auch in Südkorea sei der erste Fall gemeldet worden, heisst es in einer Nachrichten-Depesche. Drei Menschen seien an der Krankheit gestorben.

«In der Millionenstadt hat sich die Zahl der mit dem Erreger Infizierten erhöht: Über das Wochenende seien 136 neue Fälle gemeldet worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Damit ist die Zahl der bestätigten Fälle sprunghaft auf rund 200 gestiegen.»

«Auch warnen die Experten vor einer möglichen Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch. Chinas Gesundheitskommission mahnte in Peking zur Vorsicht, weil der Ursprung des neuen Typs von Coronavirus noch nicht gefunden sei. Auch sei nicht sicher, wie sich Menschen ansteckten: ‹Die Übertragung wird noch nicht völlig verstanden.› Trotzdem hielten Experten den Ausbruch für ‹kontrollierbar›.»

Im watson-Artikel dazu schrieb User «Füürtüfäli» den Top-Kommentar, in dem er den Umgang Chinas mit dem Virus kritisierte. Wie sich später herausstellen sollte, war die Reaktion Chinas um einiges besser als jene der meisten anderen Ländern der Welt.

25. Januar: 56 Millionen Menschen werden unter Quarantäne gestellt

Bereits am 23. Januar zog China die Reissleine und stellte nicht mal einen Monat nach offiziellem Bekanntwerden von Covid-19-Erkrankungen die gesamte Stadt Wuhan unter Quarantäne. Peking sagte zudem vorsorglich alle grösseren Neujahrsfeiern ab.

«Die WHO beschliesst nach einer zweitägigen Krisensitzung, vorerst keinen weltweiten Gesundheitsnotstand auszurufen. Zur Begründung heisst es, bisher gebe es ausserhalb Chinas ‹keine Hinweise› auf eine Übertragung des Krankheitserregers von Mensch zu Mensch.»

Am 25. Januar weitete China die Massnahmen massiv aus, stellte 56 Millionen Menschen unter Quarantäne und richtete im gesamten öffentlichen Verkehr der Volksrepublik Fiebermessstationen ein.

26. Januar: «Bund verschärft Meldepflicht wegen Coronavirus»

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ergreift erste präventive Massnahmen gegen das Coronavirus. Verschärft wurde die Meldepflicht von Ärzten und Laboratorien.

«Ab kommender Woche müssen Ärzte und Laboratorien Fälle mit Verdacht auf eine Corona-Infektion innerhalb von zwei Stunden den Kantonen und dem Bund melden.»

«Zudem stehe das BAG mit Tourismusveranstaltern in Kontakt, die Gruppenreisen mit Gästen aus Asien in der Schweiz organisieren. Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenprävention beim BAG, schätzt das Risiko einer Ansteckung in der Schweiz momentan als gering ein. Massnahmen bei der Einreise in die Schweiz gibt es derzeit noch keine. Zahlreiche andere Flughäfen haben Screening-Massnahmen für Passagiere aus Wuhan eingeführt.»

25. Februar: Das Virus hat die Schweiz erreicht

Am 25. Februar, nachdem das Virus bereits seinen Weg nach Europa geschafft hat und sich ein Trauerspiel im Norden Italiens abzeichnete, erreichte das Coronavirus auch die Schweiz.

Die Schweiz hat ihren ersten Coronavirus-Fall. Ein 70-jähriger Mann aus dem Tessin ist am Dienstag positiv getestet worden. Vor zehn Tagen hatte er an einer Versammlung in der Gegend von Mailand teilgenommen.

«Der Bund ändert vorerst nichts an seinen Massnahmen. Das sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), am Dienstagabend vor den Bundeshausmedien in Bern. Das Risiko für die Bevölkerung sei weiterhin ‹moderat› – auch, weil sich der Mann offenbar nicht in der Schweiz, sondern in Italien angesteckt habe.»

Bleibt zu hoffen, dass wir an dieser Stelle in einem Jahr über die Absurdität der Berichterstattung von vor einem Jahr berichten können.

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