DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Uber Eats – «Kassensturz» deckt prekäre Arbeitsverhältnisse auf

Milan Marquard
Milan Marquard



Uber geriet bereits mit seinem Fahrt-Vermittler-Dienst in die Kritik: Fehlende Sozialleistungen und tiefe Löhne sorgten für rote Köpfe. Jetzt erobert Uber mit dem Essens-Lieferdienst Uber Eats auch den Kurierservice.

Eine Mitarbeiterin der SRF-Sendung «Kassensturz» wagte daher ein Selbstexperiment: Sie versuchte sich eine Woche lang als Velo-Kurierin im Auftrag von Uber Eats. Ihre Erfahrungen decken sich mit den Vorwürfen, mit denen Uber seit jeher zu kämpfen hat.

Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse für Euch zusammengefasst.

Bild

Uber Eats Kuriere leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen. screenshot: srf

Locken mit Freiheitsgefühl

«Kein Vorgesetzter. Flexibler Zeitplan. Schnelle Auszahlungen.»

Uber Eats verfolgt eine ähnliche Strategie wie ihr Mutterhaus Uber: Schnelles Wachstum dank tiefen Preisen und einfacher Handhabung für die Kunden, um die Konkurrenz anschliessend aus dem Rennen zu drängen. Aus diesem Grund will Uber Eats in grossen Städten wie Zürich rasch wachsen und sucht nach Liefer-Kurieren.

Auf ihrer Homepage klingt der Job sehr verlockend: «Kein Vorgesetzter. Flexibler Zeitplan. Schnelle Auszahlungen.» Mit diesen Punkten sollen potentielle Arbeitnehmer angelockt werden. Die Anmeldung läuft gemäss «Kassensturz» sehr einfach via App ab – man kann sogar den Termin für die sogenannte «Infosession» selbst bestimmen. Mitnehmen ans Gespräch soll man – falls vorhanden – einen Strafregisterauszug. Macht auch Sinn, schliesslich möchte niemand von einem Kriminellen das Essen an die Haustür geliefert kriegen.

Strafregisterauszug: Kein Thema

Das Gespräch findet in einem Uber-Office an der Badenerstrasse in Zürich statt. Auffällig ist, dass neben der «Kassensturz»-Mitarbeiterin an diesem Tag nur Migranten für die Infosessions auftauchen.

Die Infosession macht ihrem Namen alle Ehre: Man wird während rund 30 Minuten über die Funktionsweise der App, die Einsatzgebiete und den Lohn informiert. Fragen zur Person, wie an einem Vorstellungsgespräch üblich, werden keine gestellt. Den Strafregisterauszug muss die SRF-Mitarbeiterin nicht zeigen.

Zuerst: Schulden abarbeiten

Die Infosession verlässt man als neuer Mitarbeiter zuerst mal mit Schulden: 120 Franken für den Uber Eats Kurier-Rucksack. Der Umsatz der ersten paar Fahrten kommt folglich noch dem Unternehmen zu Gute. Beim tiefen Lohn sind das einige Fahrten, aber dazu später mehr.

Trugschluss Selbständigkeit

In der Infosession wird der Frau vom SRF klar gemacht, dass sie selbständige Mitarbeiterin von Uber Eats sei – klar, das stand ja auch schon so auf deren Homepage. Doch genau hier liegt das Problem: Man kann als Uber Eats Angestellte nicht selbständig sein. «Weder die SUVA noch die AHV haben das bisher akzeptiert», wie es im Beitrag heisst.

«Die Gewerkschaften schlagen Alarm.»

Die Frage, ob man als Uber Eats Kurierfahrer selbständig oder angestellt ist, ist noch hängig vor Gericht – und somit noch nicht geklärt. Bei der Infosession wird über diesen rechtlichen Schwebezustand kein Wort verloren. Deshalb schlagen «die Gewerkschaften Alarm»: Die UNIA warnt beispielsweise, dass die Kuriere nicht unfallversichert sind. Ausserdem werden die AHV-Beiträge nicht korrekt abgerechnet und somit können Kuriere ihre Steuererklärung nicht korrekt ausfüllen.

Die Stadt Genf hat den Lieferservice aus diesem Grund verboten. Uber Eats wehrt sich gegen diesen Entscheid vor Gericht. Es stellt sich im Verfahren die Grundsatzfrage: Muss Uber die Kuriere anstellen und entsprechend Sozialleistungen bezahlen?

Dumping-Löhne

Das kalifornische Unternehmen Uber, zu dem auch der Lieferservice Uber Eats gehört, hat derzeit einen Börsenwert von 45 Milliarden und Wachstum wird rasant vorangetrieben. Dass die SRF-Mitarbeiterin nach drei Stunden rund 35 Franken verdient hat, zeigt, wie das Milliarden-Unternehmen vorzugehen scheint. Sie wälzen nicht nur das Unfallrisiko auf die Kuriere ab, sondern bezahlen ihnen tiefe Dumpinglöhne.

Bild

35.62 Franken – der Lohn nach drei Arbeitsstunden. screenshot: srf

Im Gespräch mit anderen Uber Eats Kurieren wird schnell klar, was die Mehrheit dazu treibt, zu einem Stundenlohn von etwas mehr als 10 Franken zu arbeiten: Die fehlenden Möglichkeiten. Es sind viele Migranten, die diesen Job als einzige Aussicht auf ein Einkommen sehen.

Uber Eats rechtfertigt sich

Eine Kommunikationsverantwortliche von Uber und Uber Eats – Luisa Elster – war in der «Kassensturz»-Sendung im Studio und stellte sich dem Moderatoren Ueli Schmezer. Seinen Fragen über die fehlenden Sozialleistungen wich sie mit Hinweis auf die Selbständigkeit und Flexibilität der Kuriere geschickt aus: Uber sei kein Arbeitgeber – und will auch keiner sein.

Bild

Schmezer nahm Luisa Elster in die Mangel. screenshot: srf

Was Elster jedoch in den Vordergrund rücken wollte, war die gratis Unfallversicherung, die Uber Eats den Kurieren offeriert. Diese Versicherung deckt gemäss «Kassensturz» jedoch nur das absolute Minimum und ist nicht vergleichbar mit der obligatorischen Arbeitgeber-Unfallversicherung.

Die tiefen Löhne erklärt die Kommunikationsverantwortliche mit den Arbeitszeiten: Wenn nicht in der Rush-Hour gearbeitet wird, fallen die Löhne tiefer aus. Es komme auf die Anzahl Aufträge an.

Es scheint, als sei für Uber die gebotene Flexibilität der Kuriere Rechtfertigung für alle Schattenseiten. Vergleichbare Lieferdienste bieten gemäss «Kassensturz» jedoch dieselbe Flexibilität – inklusive Versicherungen und Sozialleistungen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Fahrdienst Uber

1 / 13
Fahrdienst Uber
quelle: keystone / steffen schmidt
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

CO₂-Gesetz könnte kippen: Städte verzeichnen tiefe Stimmbeteiligung

Die Städte melden tiefe Stimmbeteiligungen. Das CO2-Gesetz wird angesichts Umfragewerte durch die Schlussmobilisierung entschieden werden.

Am kommenden Sonntag steht fest, wie sich die Klimapolitik der Schweiz entwickeln wird. Die Stimmbevölkerung entscheidet in einem Referendum über das CO2-Gesetz, dessen Chancen derzeit alles andere als gut stehen. Dies zeigen die repräsentativen Umfragen von gfs.bern und SRF, die vor der Abstimmung veröffentlicht wurden.

Gründe für die schlechten Chancen dürften in der urbanen, städtischen Bevölkerung zu finden sein: Diese befürwortet zwar gemäss jüngsten Umfragen mehrheitlich das …

Artikel lesen
Link zum Artikel