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Eine Gruppe trainiert im Fitnessstudio Activ Fitness mit Maske am Mittwoch, 11. November 2020, in Zuerich-Oerlikon. Der Bundesrat hat am 28. Oktober 2020 nationale Corona-Massnahmen beschlossen, diese betreffen auch eine ausgeweitete Maskenpflicht. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Viele Menschen fragen sich, wo das Ansteckungsrisiko mit den nötigen Vorsichtsmassnahmen auf einem tiefen Niveau gehalten werden kann. Forscher haben versucht, dies zu berechnen. Bild: keystone

In diesen Alltagssituationen ist die Corona-Gefahr am grössten

Infiziert man sich eher im Supermarkt als im Grossraumbüro? Und was ist mit Kulturbetrieben? Eine deutsche Studie gibt Antworten – und wirft neue Fragen auf.



In gewissen alltäglichen Situationen ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, besonders gross. Und dies trotz aller bekannten Vorsichtsmassnahmen, vom Abstand halten, über das Maskentragen bis zum Lüften.

Spätestens seit man weiss, dass sich SARS-Cov-2 nicht nur über Tröpfcheninfektion verbreitet, sondern auch über Aerosole, also viel kleinere Teilchen, die in der Luft schweben, gelten schlecht gelüftete Innenräume als riskant.

Nun haben Forscher vom Hermann-Rietschel-Institut an der Technischen Universität (TU) Berlin berechnet, wie hoch das Risiko in verschiedenen Innenraum-Situationen ist.

Aus den Berechnungen gehe hervor, wie wichtig Masken und Abstand halten seien, konstatiert der «Spiegel», der die Studie am späteren Freitagabend vorgestellt hatte (siehe Quellen).

Wo ist der Haken?

Bevor wir zu den berechneten Wahrscheinlichkeiten kommen, gilt es einen wichtige Punkt zu erwähnen. Die im folgenden genannten Risikoeinschätzungen berücksichtigen nicht die neuen Virusvarianten, die ansteckender sind.

Schon im Herbst hatten die beiden Autoren gemeinsam mit Forschern von der Berliner Charité und dem Robert-Koch-Institut verschiedene Ausbrüche in Innenräumen nachgestellt und daraus ein Infektionsrisikomodell abgeleitet, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Bei diesen Versuchen wurde unter anderem berücksichtigt, wie gross die Virenmenge ist, die bei verschiedenen Aktivitäten ausgestossen wird.

Das Problem: Infizierte Personen sind mehr oder weniger ansteckend, wobei die dafür verantwortlichen Faktoren nicht geklärt sind. Bekanntlich können wenige sehr viele anstecken, was als Superspreader-Phänomen bekannt ist.

Der Tagi bringt es auf den Punkt:

«Wie viel Virus man einatmen muss, um sich tatsächlich zu infizieren, dazu ist die Datenlage noch unklar. Auch ist natürlich nicht jeder Corona-Positive gleich infektiös.»

Zudem bleibt bei direkten Kontakten, respektive zwischenmenschlichen Begegnungen, ein Restrisiko. Wenn einen jemand aus nächster Nähe ins Gesicht hustet, ist fraglich, ob eine gewöhnliche Maske die Viren abhält.

Wo ist das Ansteckungsrisiko am tiefsten?

Die gute Nachricht für Kulturschaffende und Kulturinteressierte: Theater, Opern und Museen schneiden am besten ab.

Der «Spiegel» zitiert einen Forscher:

«Wir hatten schon bei unseren Untersuchungen im Herbst gesehen, dass dort aufgrund der guten Lüftungssituation und weil dort wenig gesprochen wird, ein eher geringes Risiko besteht.»

Wenig riskant sei auch ein zweistündiger Coiffeurbesuch, hält der Tagi fest – dort liege der situationsbedingte R-Wert bei 0,6. Zum Vergleich: Ein Einkauf im Supermarkt sei mit einem R-Wert von 1 fast doppelt so gefährlich.

Vorausgesetzt – wie oben erwähnt –, es werden alle Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten und die entsprechenden Räumlichkeiten werden regelmässig gelüftet.

Welche Situationen sind besonders riskant?

Dazu präsentiert der «Spiegel» eine eindrückliche Grafik. Spoiler: «Oberschulen», also weiterführende Schulen mit Jugendlichen, gehören zu den riskantesten Orten, aber auch in Grossraumbüros droht eine Ansteckung. Wobei auch hier anzumerken ist, dass Schutzmasken das Risiko massiv senken.

Bild

screenshot: spiegel.de

Für ein Mehrpersonen-Büro mit halber Belegschaft, ohne Masken und einer Aufenthaltsdauer von acht Stunden, rechnen die Forscher gemäss Tagi damit, dass ein Infizierter bis zu acht weitere Kollegen anstecke. Riskanter sei den Berechnungen zufolge nur noch das vollbesetzte Oberstufen-Klassenzimmer, in dem keine Masken getragen werden.

Und was ist nun mit den Fitnessstudios? Wenn ein Infizierter dort stark atmet, gibt er auch vergleichsweise viele Viruspartikel in die Raumluft ab. Einen grossen Unterschied macht jedoch die Auslastung: Liegt sie bei 30 Prozent, ist der R-Wert auch ohne Maskenpflicht mit 1,4 nicht extrem hoch – doch ist das Studio zur Hälfte ausgelastet, steigt der Wert auf 3,4.

Hingegen sei ein zweistündiger Restaurant-Besuch, in dem der Wirt nur jeden zweiten Platz besetze, weniger riskant (2,3). Zwar werde dort viel gesprochen, aber durch die geringe körperliche Aktivität würden weniger Aerosole erzeugt.

Was wollen die Forscher damit erreichen?

Die Berechnungen könnten als Diskussionsgrundlage für Öffnungen von Geschäften, Theatern, Museen oder Coiffeur-Geschäften herangezogen werden, schreibt spiegel.de. Ob man dann einzelne Lokalitäten wieder öffnen könne, sei vom gesamten Hygienekonzept abhängig.

Aus ihren Berechnungen gehe hervor, dass mit gut durchdachten und konsequenten Hygienekonzepten die Öffnung einiger Einrichtungen wieder möglich sein könnte, meint ein Forscher. Und dass in anderen Situationen wiederum der Bedarf bestehe, die Kontakte weiter zu reduzieren.

Quellen

(dsc)

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