Schweiz
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Zürcher Drogensüchtige weichen auf den Strichplatz aus

Da viele Anlaufstellen für Drogensüchtige infolge der Pandemie geschlossen wurden, hat die Stadt Zürich kurzerhand Altstetter Sexboxen in Drogenkonsumräume umfunktioniert.



Drogensüchtige fixen jetzt auf dem Zürcher Strichplatz

Video: srf/SDA SRF

Die Corona-Pandemie trifft auch die Zürcher Drogenszene. Die gewohnten Kontakt- und Anlaufstellen (K&A) mussten geschlossen werden. Die Stadt hat jedoch für eine Notlösung gesorgt - auf dem Strichplatz. Diese Lösung soll auch verhindern, dass sich eine offene Szene bildet.

In den bestehenden K&A in der Innenstadt und in Oerlikon konnte der Schutz der Mitarbeitenden und der Klientinnen und Klienten nicht gewährleistet werden. Genügend Platz für den Aufenthalt und den überwachten Konsum bietet seit dem 19. März die temporäre K&A auf dem Strichplatz, der wegen der Coronakrise ohnehin geschlossen ist.

Hier können Drogen konsumierende Menschen in Injektions- und Inhalationsräumen ihre mitgebrachten Drogen konsumieren. Wegen des Coronavirus gelten zurzeit besondere Regeln, nicht nur beim nötigen Abstand. So müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden und bei allen Süchtigen wird Fieber gemessen.

Wichtiger sozialer Treffpunkt

Auch wenn sie sich erst an den weiteren Weg raus nach Altstetten gewöhnen mussten, die Klientinnen und Klienten waren froh, dass die K&A nicht einfach zugemacht wurden, wie K&A-Leiter Florian Meyer gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Die Drogenkonsumraeume, umfunktionierte Sexboxen, bei der Drogenanlaufstelle Strichplatz Depotweg, aufgenommen am Mittwoch, 29. April 2020, in Zuerich. Die Stadt Zuerich sorgte fuer eine Notloesung in Altstetten, da die gewohnten Kontakt- und Anlaufstellen (K&A) geschlossen werden mussten. (KEYSTONE/Alexandra Wey).

Notlösung in Altstetten: Zu Drogenkonsumräumen umfunktionierte Sexboxen in Zürich. Bild: KEYSTONE

Denn die K&A sind nicht nur ein Platz für den Konsum, sondern vor allem auch für den sozialen Austausch. Hier fühle sie sich wohl und treffe Freunde und Bekannte, sagt Brigitte, eine langjährige Drogenkonsumentin, die zwei bis dreimal pro Woche kommt. Sie bleibe oft fünf bis sechs Stunden. «Vor allem bei schönem Wetter.»

Angst vor offener Drogenszene

Und genau dies macht dem Leiter der Einrichtung Sorgen. Als Notlösung sei die K&A auf dem Strichplatz eine gute Sache, aber sie sei nicht für längere Zeit geeignet und auch nicht winterfest. Es brauche daher eine wetterunabhängige Lösung, sagte Meyer. Sonst kann nicht nachhaltig sichergestellt werden, dass sich nicht wieder eine offene Drogenszene bildet.

Ausserdem ist auch das Angebot in Altstetten stark eingeschränkt. So sind die Öffnungszeiten reduziert und es finden weniger Beratungen statt. Jetzt müsse man schauen, dass die regulären K&A ihren Betrieb unter Auflagen wieder aufnehmen könnten, sagte der Meyer weiter. (adi/sda)

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DrDeath 30.04.2020 21:46
    Highlight Highlight Jeder redet über eine "offene Drogenszene". Jeder will sie vermeiden, jeder fürchtet sie. Kann mir mal einer erklären was das überhaupt ist? In keinem der letzten Artikel wurde das erklärt.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 30.04.2020 21:53
      Highlight Highlight Platzspitz, unterer Letten.
      Google Mal diese beiden Begriffe, Lies dir die Berichte dazu durch, sieh dir die Fotos an.
      Sorry, aber mehr bringe ich gerade nicht zusammen. Das Elend und das Leid dieser Zeit wühlt mich immer wieder auf.
    • DrDeath 30.04.2020 22:33
      Highlight Highlight Eindrucksvolle Bilder, danke. Ich versteh aber trotzdem noch nicht, was eine "offene" Drogenszene ausmacht. Ist mit offen schlicht unkontrolliert gemeint?
    • Randalf 30.04.2020 23:27
      Highlight Highlight @DrDeath

      Das ist quasi ein öffentlicher "Drogenmarkt". Von überall kommen die Leute her um sich hier ihre Drogen zu kaufen und z. T. auch gleich zu konsumieren.
      D. h. Du musst keinen Dealer kennen um an die Drogen ranzukommen.
      Also so in etwa.
  • You will not be able to use your remote control. 30.04.2020 17:04
    Highlight Highlight Dealer können sich nicht an die Corona Regeln halten. Einmal mehr sind die Verbote eine zusätzliche Gefahr für die Konsumenten und die Gesellschaft.
  • Me, my shelf and I 30.04.2020 16:49
    Highlight Highlight Wichtig und richtig!
  • rescue me 30.04.2020 15:55
    Highlight Highlight Finde ich super, dass da eine Notlösung gefunden wurde. Diese Menschen in dieser Zeit einfach alleine zu lassen wäre für viele sicherlich sehr schlimm gewesen. Chapeau Stadt Zürich
  • Mandarinchen 30.04.2020 15:20
    Highlight Highlight Naja. Die beste Lösung für die Süchtigen wäre, jeden Tag ein bisschen weniger von dem Dreck zu nehmen, bis irgendwann nichts mehr und ein schöneres Leben zu starten.
    • Yozef 30.04.2020 18:24
      Highlight Highlight Schon ziemlich naiv
    • aglio e olio 30.04.2020 18:47
      Highlight Highlight So funktioniert Sucht leider nicht.

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