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Ein TV-Kameramann von tpc fillmt EHC Kloten Stuermer Marc Marchon, rechts, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Kloten und dem EHC Biel am Freitag, 8. September 2017, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Im Sommer werden die TV- und Vermarktungsrechte in unserem Hockey neu vergeben. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

TV-Rechte – künftig über zehn Millionen mehr für unser Hockey?

Im Sommer werden die TV- und Vermarktungsrechte in unserem Hockey neu vergeben. Weil es zu einer Marktöffnung kommt, stehen die Chancen gut, dass es so viel Geld geben wird wie noch nie.



Wer darf die farbigen Bilder ab der Saison 2022/23 aus unseren Hockey-Tempeln zu welchem Preis in die Wohnstuben, auf Tablets und Handys beamen? Das ist die grosse Frage, die unsere Hockey-Bürogeneräle in den nächsten Wochen umtreibt. Wegen der langen Vorlaufzeit werden die ab Saisonstart 2022/23 gültigen Verträge jetzt ausgehandelt und noch vor Ende August unterschrieben.

Bisher hat der Verband („Swiss Ice Hockey“) die gesamten Rechte (für die Nationalmannschaft ohne WM, die National League und die Swiss League) verkauft. Die Gesamtsumme ist im Verlaufe des bisherigen Fünfjahresvertrags kontinuierlich bis auf 35,4 Millionen Franken angestiegen. Der Spengler Cup gehört nicht in dieses Paket. Diese TV-Rechte verkauft der HC Davos in Eigenregie.

Zum ersten Mal wird also der freie Markt entscheiden, wie viel die TV- und Vermarktungsrechte der Nationalmannschaft (ohne WM), der National League und der Swiss League wert sind.

Um die Rekordsumme aus dem aktuellen Fünfjahresvertrag (etwas mehr als 30 Millionen) wieder zu erreichen oder zu übertreffen, sind erneut mindestens zwei zahlungskräftige Interessenten notwendig. Zuletzt waren es die Swisscom und UPC.

Inzwischen ist UPC von Sunrise übernommen worden. Bei Swisscom und Sunrise ist der Grundsatzentscheid gefallen. Beide wollen für ihre Bezahlsender die Rechte. Für Sunrise wäre es eine empfindliche Niederlage, wenn sich die Swisscom nach den Rechten am nationalen Fussball nun auch noch jene am helvetischen Hockey sichern könnte.

Die National League müsste bei dieser Ausgangslage eigentlich allein für ihre Rechte mindestens 30 Millionen im Jahr herausholen. Also so viel wie zuvor die Gesamtsumme aller Rechte im alten Vertrag. Denn die Spiele der höchsten Liga sind das Kernstück des nun per Ende der nächsten Saison auslaufenden Fünfjahresvertrag.

Die Virus-Krise hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Ausgestaltung der neuen TV-Verträge: diese Saison waren die beiden höchsten Ligen ja auch unter den erschwerten Bedingungen dazu in der Lage, die Meisterschaft durchzuführen und den TV-Partnern die vertraglich zugesicherten Inhalte zu liefern. Nachteilig könnte sich hingegen das unsägliche Reformtheater auswirken.

Die Verhandlungen führt Liga-Direktor Denis Vaucher. Angestrebt wird erneut ein Mehrjahresvertrag. Fünf Jahre wie bisher wird es bei der sich laufend verändernden Medienlandschaft kaum geben. Aber drei Jahre sind möglich. Zu kaufen gibt es:

Für die Klubs ist die Präsenz im öffentlich-rechtlichen, frei empfangbaren Fernsehen nach wie vor wichtig. Die Reichweite der Bezahlsender ist steigend, aber immer noch zu gering.

Wer die Rechte fürs Bezahlfernsehen kauft, wird also wie bisher unserem staatstragenden Fernsehen Rechte abtreten müssen. Die Frage ist, wie viel SRF dafür ausgeben wird. Da die Bildermacher vom Leutschenbach international immer mehr an den Katzentisch verbannt werden ist der Druck umso grösser, wenigstens beim helvetischen Sportgeschehen dabei zu sein. Ob SRF ernsthafte Konkurrenz durch Medienkonzerne mit frei empfangbaren TV-Stationen (CH Media, Ringier) bekommen wird, ist offen.

Auch wenn die TV-Einnahmen bei den Klubs der National League künftig bis zu 20 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen können: wichtiger noch als dieses Geld ist eine gute Verbreitung qualitativ hochwertiger TV-Bilder sowohl über das bezahlte wie das frei empfangbare Fernsehen.

Interessant wird sein, wie viel Geld die Swiss-League für ihre Rechte herausholen kann. Die Klubs der zweithöchsten Liga sind bisher aus dem grossen Topf mit je rund 380'000 Franken pro Saison entschädigt worden.

Ist eine Steigerung realistisch? Nein. Bisher gehörten die TV-Rechte der Swiss League zum Gesamtpaket. Die TV-Präsenz der zweithöchsten Liga ist heute ungenügend und beschränkt sich im Bezahlfernsehen (MySports) auf ausgewählte Partien der Regular Season und die Playoffs.

Die Verhandlungen führt der ehemalige SRF-Bürogeneral Jean Brogle. Er hat im Wesentlichen das gleiche Angebot wie Denis Vaucher mit der National League.

Das Ziel der Swiss League ist allerdings nicht primär mehr Geld aus den TV-Rechten zu generieren. Sondern eine höhere TV-Präsenz und mehr Freiheiten als bisher für die Klubs. Um eigene Bilder produzieren und in den lokalen Netzen verbreiten zu können. So ergibt sich ein erheblicher Mehrwert bei der Präsentation der Sponsoren. Also mehr ein föderalistisches als ein zentralistisches System. Im Wissen darum, dass die Swiss League im Gegensatz zur National League eher ein Produkt für starke lokale Märkte als einen nationalen Markt ist.

Die Frage ist, wie sich Swiss Ice Hockey (der Verband) künftig finanziert. Die Auswirkungen der neuen TV-Landschaft auf die Finanzen des Verbandes werden dramatisch sein.

Die TV- und Vermarktungsrechte an der Nationalmannschaft sind nahezu wertlos: Im Angebot sind nur die völlig bedeutungslosen Länderspiele. Nicht aber die WM. Im Fussball sind Länderspiele für die Verbände wegen der Qualifikations-Partien für die grossen Turniere (EM, WM) ein lukratives Geschäft. Im Eishockey gibt es diese Qualifikation nicht.

Wer unsere Nationalmannschaft alimentiert, ist bei der WM nicht präsent. Um unter diesen Voraussetzungen überhaupt Sponsoren zu finden, ist eine TV-Präsenz der „Operetten-Länderspiele“ unabdingbar. Gut möglich, dass der Verband für die Nationalmannschafts-Rechte gar kein Geld bekommt und darüber hinaus die TV-Produktionskosten übernehmen muss. Damit überhaupt irgendjemand diese Spiele bringt. Vielleicht gelingt es aus politischen Gründen im Sinne von Service Public etwas Geld beim staatstragenden Leutschenbach zu bekommen.

Auf jeden Fall wird der Verband den Gürtel enger schnallen müssen. Weil das Geld aus dem neuen TV-Vertrag künftig direkt an die Liga (die Klubs) und nicht mehr an den Verband geht, werden die jährlichen Einnahmen von rund 60 Millionen auf die Hälfte zurückgehen.

Woher wird dann künftig das Geld kommen? Aus dem Verkauf von Dienstleistungen an die ab der Saison 2022/23 selbständige National League und Swiss League. Dabei geht es um Dienste wie das Erstellen der Spielpläne, die sportliche Gerichtsbarkeit, die Organisation der Nachwuchsmeisterschaften und das gesamte Schiedsrichterwesen.

Aber so viel Geld wie bisher – der Verband behielt aus dem TV-Gesamtpaket etwas mehr als 10 Millionen für sich – wird es von den beiden höchsten Ligen für die erst noch auszuhandelnde Dienstleistungsverträgen nicht geben.

In Existenznot wird die Dachorganisation unseres Hockeys deswegen nicht geraten. Nach wie vor betragen die ausgewiesenen flüssigen Mittel fast 5 Millionen. Während die Klubs wegen der Virus-Krise in finanzielle Nöte geraten sind, bezahlt der Verband Minus-Zinsen auf seinen Guthaben. Nationaltrainer Patrick Fischer muss sich also keine Sorgen um sein Gehalt machen.

Weniger Geld für den Verband und mehr für die Klubs ist der Hauptgrund, warum sich die National League und die Swiss League als selbständige Aktiengesellschaften formiert und juristisch vom Verband losgelöst haben.

Diese Marktöffnung dürfte zu einer Erhöhung der gesamten TV- und Vermarktungsrechte von bisher etwas mehr als 30 auf über 40 Millionen führen. Die Klubs werden mehr Geld bekommen, der Verband wesentlich weniger. Damit stehen auch schon die grossen Sieger fest: die Spieler.

Denn jeden Franken, den die Klubs zusätzlich einnehmen, investieren sie umgehend in die Spielerlöhne. So war es, so ist es, so wird es bleiben.

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