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Winnipeg Jets goaltender Connor Hellebuyck (37) makes a save on Edmonton Oilers' Gaetan Haas (91) during second overtime period of an NHL hockey Stanley Cup playoff game, Monday, May 24, 2021, in Winnipeg, Manitoba. (Fred Greenslade/The Canadian Press via AP)
Connor Hellebuyck,Gaetan Haas

Gaëtan Haas wechselt aus der NHL nach Biel. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Gaëtan Haas – der Transfer, der alles erklärt

Der SC Bern steckt in der tiefsten sportlichen Krise seit dem Wiederaufstieg von 1986. Der EHC Biel etabliert sich in der Spitzengruppe unseres Hockeys. Der Transfer von Gaëtan Haas erklärt uns, warum Biel auf Kosten von Bern die neue Nummer 1 im Bernbiet geworden ist.



Kennen Sie Biels Manager? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Er heisst Daniel Villard. Kennen Sie den SCB-Manager? Ja klar, Marc Lüthi! Daniel Villard führt das Unternehmen seit 2003 und ist damit nach Marc Lüthi (seit 1998 SCB-Zampano) der zweitdienstälteste Manager der Liga.

Aber Daniel Villard ist nicht zu kantonaler, ja nationaler Prominenz aufgestiegen wie Marc Lüthi. Das mag zwar auch damit zusammenhängen, dass der SCB eine stärkere Ausstrahlung hat als Biel. Aber entscheidend ist etwas anderes: Biel pflegt eine kollektive Führungskultur. Was sich daran zeigt, dass Biel das einzige Hockeyunternehmen mit einem Co-Präsidium ist (wie die SP Schweiz). Patrick Stalder und Stéphanie Mérillat führen den EHC Biel gemeinsam.

Daniel Villard, Geschaeftsfuehrer EHC Biel, waehrend der Vorsaison-MK des EHC Biel, am Montag, 24. August 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Biel-Manager Daniel Villard. Bild: KEYSTONE

Es gibt keinen «Mister EHC Biel» in der Art und Weise, wie in Bern Marc Lüthi als «Mister SCB» der König der Stadt geworden ist. Diese kollektive Führung hat den Vorteil, dass es keine Alleingänge gibt und sich keine monarchistisch-autoritären Führungsstrukturen entwickeln können: Es gibt, anders als in Bern, sachlichen Widerspruch auf Augenhöhe, es gibt Ringen um Entscheidungen, um die bestmögliche Lösung.

Dazu passen die Bescheidenheit und der diskrete Führungsstil von Daniel Villard, der sich nicht für unfehlbar hält. Und dazu passen auch die Geduld und die Kontinuität, mit der die Bieler aus den Niederungen der zweiten Liga (Aufstieg 2008) nach und nach eine der führenden Hockeyfirmen der Schweiz aufgebaut haben – exzellent sowohl finanziell, infrastrukturell als auch sportlich. Während der ganzen Amtszeit von Daniel Villard – während 18 Jahren – hat Biel mit Kevin Schläpfer und Martin Steinegger nur zwei Sportchefs beschäftigt. Der SCB hatte allein in den letzten sechs Monaten vier auf der Lohnliste: Florence Schelling, Alex Chatelain, Raeto Raffainer und Andrew Ebbett.

Womit wir beim Thema Kontinuität sind: Grosse Transfers wie die Rückkehr von Gaëtan Haas (29) sind entweder das Produkt von sehr, sehr, sehr viel Geld oder langer, geduldiger Überzeugungsarbeit.

Frage an Biels Sportchef Martin Steinegger: Wie lange haben Sie am Transfer von Gaëtan Haas gearbeitet? «Seit dem Tag, an dem er uns verlassen hat …» Will heissen: Seit Gaëtan Haas im Frühjahr 2017 Biel in Richtung SC Bern verlassen hat (den Transfer hatte noch Sven Leuenberger aufgegleist), arbeitete Martin Steinegger an der Rückkehr des Mittelstürmers, der nun mit einem Fünfjahresvertrag eine ähnlich zentrale Rolle spielen wird wie Simon Moser in Bern.

Cheftrainer ad interim Martin Steinegger verfolgt einen Spielzug im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Freitag, 8. Dezember 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Biel-Sportchef Martin Steinegger. Bild: KEYSTONE

Gaëtan Haas ist ein Kaisertransfer, der alles erklärt: Er würde als Mittelstürmer auch in Bern eine dominante Rolle spielen und einen grossen Teil der sportlichen Probleme lösen. Aber der SCB hat nicht das Geld (oder nicht den Willen, es auszugeben), um bei diesem Transfergeschäft mitzumischen – und schon gar nicht die Beziehungen und die Kontinuität: Von der sportlichen Führung des Sommers 2017 ist niemand mehr in Bern.

Obwohl beim SCB in den letzten zwölf Monaten vier (!) Personen mit der sportlichen Führung beauftragt waren bzw. noch sind, hat es der SCB versäumt, seinem eigenen Junior André Heim, inzwischen Nationalstürmer, eine Vertragsverlängerungs-Offerte zu machen. So kommt es, dass er halt zu Ambri gewechselt hat. Maximales Führungsversagen. Es gibt einen bitterbitterbösen Hockey-Witz im Bernbiet: Alex Chatelain und Florence Schelling haben einen neuen Job. Sie treten jetzt als Magier-Duo auf. Sie lassen nicht einen Elefanten mit einem Fingerschnippen von der Bühne verschwinden wie David Copperfield. Sondern ein ganzes Hockey-Meisterteam.

Daniel Villard sagt, Gaëtan Haas werde aus dem laufenden Budget finanziert. Natürlich sagen das alle Manager, wenn sie einen Star holen. Aber in diesem Fall stimmt es: Biel ist ein dynamischer Wirtschaftsstandort und es ist der Führungscrew des Klubs gelungen, die lokale Wirtschaft (die internationale Ausstrahlung hat) für den Hockey-Club zu gewinnen.

Berns Gaetan Haas im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den SC Rapperswil Jona Lakers, am Mittwoch, 16. Dezember 2020, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Gaëtan Haas kehrt nicht nach Bern, sondern nach Biel zurück. Bild: keystone

Biels kollektiv organisierte Führung und die Geduld garantieren noch keine Meistertitel. Aber eine solide Präsenz in der Spitzengruppe der Liga. Die Gefahr von einsamen Entscheiden, die in Bern immer grösser wird, ist gebannt. Die Sache – das Wohl des Klubs, der sportliche Erfolg, die sportliche Entwicklung – stehen im Zentrum aller Entscheidungen.

In Bern hat die «Alleinherrschaft» von König Marc Lüthi zu einer «Krämer-Mentalität» geführt, die den SCB viel sportliche Ausstrahlungskraft kostet und zum beispiellosen sportlichen Niedergang – als Meister in der Qualifikation zweimal hintereinander bloss Rang 9 - beiträgt: Inzwischen wird primär gejammert, ständig geht es um Geld und nicht mehr um Sport.

Marc Luethi, SCB CEO, spricht beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den Lausanne HC, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-General Marc Lüthi. Bild: keystone

Mit gutem Grund: Marc Lüthi ist auch Mitbesitzer des Unternehmens und ihm dürfte verständlicherweise die Werterhaltung seiner Investition ebenso am Herzen liegen wie der sportliche Erfolg. Diese Kombination einer Beteiligung des Managers am Unternehmen, einem führungsschwachen Verwaltungsrat mit einem «Operetten-Präsidenten» und einer nahezu uneingeschränkten Machtfülle des Managers bei der Führung im Tagesgeschäft ist im Sport brandgefährlich. Es gibt sie in dieser Form bei keinem anderen Hockeyclub und ist mittelfristig das vielleicht grösste Problem beim grössten Hockey-Unternehmen des Landes.

Im Idealfall würde der SCB Biels Transfer von Gaëtan Haas mit einem ähnlich spektakulären Zuzug kontern: mit der Rückkehr von Sven Bärtschi (28). Einem Berner aus dem oberaargauischen Langenthal, der in elf Jahren in Nordamerika über zehn Millionen Dollar verdient hat, diese Saison aber nur noch in Vancouvers Farmteam gespielt und einen auslaufenden Vertrag hat.

Die Frage geht deshalb an SCB-Obersportchef Raeto Raffainer: Arbeiten Sie am Transfer von Sven Bärtschi? «Er wird nicht in die Schweiz zurückkehren. Sein Ziel ist ein neuer Vertrag in der NHL.» Gut, aber was ist, wenn es mit dem neuen NHL-Vertrag nicht klappt? Sind Sie dran? «Sein Agent sagt, er wolle in Nordamerika bleiben.»

Vancouver Canucks' Sven Baertschi (47), of Switzerland, is stopped by Chicago Blackhawks goalie Anton Forsberg, of Sweden, as Michal Kempny, right, of the Czech Republic, defends during the third period of an NHL hockey game Thursday, Feb. 1, 2018, in Vancouver, British Columbia. (Darryl Dyck/The Canadian Press via AP)

Sven Bärtschi will sich weiterhin in Nordamerika versuchen. Bild: AP/The Canadian Press

Nun sind der SCB-Obersportchef und sein Untersportchef Andrew Ebbett bei der Verpflichtung von zwei weiteren ausländischen Stürmern maximal gefordert. Damit es beim SCB sportlich bald wieder rockt. Es kann ja nicht sein, dass Biel die Nummer 1 im Kanton ist. Oder?

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