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Thuns Praesident Markus Luethi vor dem Super League Spiel zwischen dem FC Thun und dem FC Luzern am Samstag, 22. Ferbruar 2020 in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Markus Lüthi warnt: «Verschuldung wird zunehmen.» Bild: KEYSTONE

Bundesmillionen für den Sport: «Die finanziellen Probleme werden damit nicht gelöst»

Markus Lüthi, der Präsident des FC Thun, äussert sich skeptisch zur Finanzhilfe des Bundes für den Profifussball.

rainer sommerhalder / ch media



Am Mittwochmorgen sitzt Markus Lüthi zuhause in Wabern am Stubentisch. Einen Steinwurf entfernt strömt die Aare idyllisch in Richtung Bern. 30 Kilometer flussaufwärts hat der 62-Jährige den FC Thun in den letzten acht Jahren zu einem bemerkenswerten Super-League-Klub geformt, der sich trotz eines Minibudgets hartnäckig im Oberhaus hält und in der letzten Saison gegen Basel (1:2) im Cupfinal stand.

«Die aktuelle Situation wäre noch auszuhalten, aber das ist ja kein Geschäftsmodell.»

Markus Lüthi, Präsident FC Thun

Die Coronakrise hat auch die Thuner hart getroffen. Der Präsident hat sich bereiterklärt, Einblick ins Innenleben seines Klubs zu gewähren. Im Laufe des Gesprächs sickert auf Nachrichtenkanälen durch, dass Bundesrätin Viola Amherd schon am Nachmittag die Finanzhilfe des Bundes für den Profifussball vorstellen könnte, für die sich die Swiss Football League beim Bundesamt für Sport starkgemacht hatte. «Wir werden sehen, ob sie unsere Probleme löst oder ob es doch eher eine Nichtlösung ist», sagt Lüthi.

Dann werden wieder Thuner Zahlen gewälzt. Als Ende Februar allmählich absehbar geworden war, was das Coronavirus für den Fussball bedeuten könnte, hatte Lüthi alle möglichen Geldabflüsse wie zum Beispiel die Stadionmiete gestoppt. So schrumpften die Ausgaben im April auf 100'000 Franken. «Die aktuelle Situation wäre daher noch auszuhalten, aber das ist ja kein Geschäftsmodell», sagt Lüthi.

«Das ist eine gute Leistung. Es verschafft die Möglichkeit, bei einem Liquiditätsmangel den Betrieb nicht einstellen zu müssen.»

Markus Lüthi, Präsident FC Thun

Kurz vor dem Ende des Interviews ploppt dann auf dem Handy des einen Besuchers eine Mitteilung auf: Dem Fussball und dem Eishockey würden zusammen voraussichtlich 350 Millionen Franken zugesprochen. «350 Millionen?», fragt Lüthi etwas ungläubig.

epa08379070 Gregory Greg Karlen, a professional footballer from the Swiss soccer team FC Thun, completes the course his fitness trainer has given him together with his dog, on Thursday, 23 April 2020, on a sports field in Steffisburg, Switzerland. Due to the crisis surrounding the pandemic of the corona virus, Covid-19, soccer clubs do not carry out any training with the team, the players have to keep fit on their own.  EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE

Thuns Gregory Karlen trainiert mit Hund in Steffisburg. Bild: EPA

Am Tag danach bezieht er am Autotelefon Stellung dazu. Er, der längst nicht immer gut findet, was die Liga tut oder eben nicht tut, lobt deren Verantwortliche zunächst einmal. «Das ist eine gute Leistung. Es ist ein wichtiges Puzzleteil, um am 29. Mai eine gute Entscheidung zu treffen», sagt Lüthi. «Es verschafft die Möglichkeit, bei einem Liquiditätsmangel den Betrieb nicht einstellen zu müssen.»

Zur Erinnerung: Am 27. Mai entscheidet der Bundesrat definitiv, ob ab dem 19. Juni die Saison – ohne Zuschauer – fortgesetzt werden kann. Zwei Tage später stimmen die zwanzig Klubs darüber ab, ob sie die Meisterschaft abbrechen oder doch auf Geisterspiele setzen wollen.

Aus der Sicht von Lüthi wird Amherds Angebot keinen grossen Einfluss auf den Entscheid haben. «Ein Abbruch braucht Geld, eine Fortsetzung braucht Geld. Am einen Ort würden wir TV-Gelder verlieren, am anderen fehlen die Zuschauereinnahmen. Der Ertragsausfall wird ja nicht kompensiert», sagt Lüthi.

«Die Verschuldungsproblematik wird zunehmen.»

Markus Lüthi, Präsident FC Thun

Bei Licht betrachtet, ist das mit den zwei Tranchen à 175 Millionen Franken aber ohnehin so eine Sache. Lüthi hätte sich gewünscht, dass es sich dabei im Minimum formalrechtlich um Rangrücktrittsdarlehen handeln würde. Um die Beträge in der Bilanz als Eigenkapital darzustellen. Weil das Geld aber komplett zurückbezahlt werden muss, sagt Lüthi: «Die Verschuldungsproblematik wird zunehmen.»

Er gibt Peter Jakob, dem VR-Präsidenten der Eishockeyaner der SCL Tigers, recht, der gesagt hat, auf diese Art werde einfach bloss das Kopfweh verschoben. Lüthi: «Wir tragen unsere Probleme nur in die Zukunft. Ich weiss nicht, aus welchen Mitteln man das Darlehen zurückzahlen will. Die finanziellen Probleme werden damit nicht gelöst.»

Falls wir am 29. Mai keine Liquidität mehr haben sollten, würden wir versuchen, das Angebot des Bundes zu brauchen.»

Markus Lüthi, Präsident FC Thun

Ob der FC Thun vom Angebot des Bundes Gebrauch machen wird, lässt Lüthi offen. Im Moment verfügt der Tabellenletzte der Super League noch über eine Million Franken an flüssigen Mitteln. «Wir schauen, was am 29. Mai entschieden wird. Falls wir keine Liquidität mehr haben sollten, würden wir versuchen, uns auf dieser Schiene eine solche zu besorgen», sagt Lüthi.

Keinen Einfluss haben Amherds Ankündigungen auch auf den Trainingsstart. «Wir trainieren erst, wenn wir abschätzen können, ob wir spielen werden», sagt Lüthi. Die Oberländer ziehen es wie die meisten Klubs vor, weiter Kurzarbeitsgeld zu beziehen.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • paule 15.05.2020 22:16
    Highlight Highlight Der Fussball hat natürlich noch das Problem, dass viele Stars zu gut bezahlt werden, das dürfte aber nicht mit Steuergelder so weiter betrieben werden. Parallel müssten mal die Saläre auf den Tisch und zwar mit Verantwortungsbewussten geerdeten Fachleuten am Tisch die etwas zu sagen haben, viele Saläre sind zu abgehoben.
  • Mike Milligan 15.05.2020 21:22
    Highlight Highlight Markus Lüthi sieht aus wie Roland Trettl.
  • schnupperi 15.05.2020 19:29
    Highlight Highlight Ich für mich kann irgendwie keine einheitliche Strategie des Bundes erkennen. Auf der einen Seite wird gesagt, dass uns Massnahmen wie Abstand halten etc. noch lange erhalten bleiben werden und auf der anderen Seite werden Millionen in Strukturen gepumpt, die ja dann in Zukunft gar nicht mehr so funktionieren können. Dies betrifft nicht nur die Finanzhilfen im Sport.

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