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FCB-Stürmerin Camille Surdez will an die EM 2022 und muss dafür hart arbeiten. Bild: keystone

FCB-Spielerin Camille Surdez: «Was, wenn ich nicht wieder gesund werde?»

FCB-Stürmerin Camille Surdez ist hart im Nehmen. Sie ist erst 23 Jahre alt und hat trotzdem schon vier Operationen am rechten Knie hinter sich. Doch sie rafft sich immer wieder auf – und hat den Traum von der EM 2022 noch lange nicht aufgegeben.



«Wenn man bereits mit 23 Jahren vier Operationen hatte am selben Knie, fragt man sich schon, ob man überhaupt noch Fussball spielen möchte», gibt Camille Surdez klipp und klar zu. Früh ist sie von zu Hause ausgezogen, um sich voll und ganz dem Leben als Profi-Fussballerin zu widmen.

Surdez setzt sich mit ihrer Schnelligkeit, ihrem Torriecher und dem robusten Körper deutlich von der Konkurrenz ab. Es folgte daher früh eine logische Konsequenz: Bordeaux klopfte an der Tür der damals 20-Jährigen. Surdez überlegte nicht lange, packte ihre Koffer und fasste Fuss in der französischen Ligue 1. Einmal mehr in ihrer Karriere steht nun aber eine Verletzung im Weg.

Camille Surdez' bisherige Karriere

Die fussballerische Ausbildung absolvierte die Neuenburgerin bei Xamax. Danach wechselte sie zu Yverdon, ging weiter zu YB und schaffte 2018 den Sprung zu Girondins Bordeaux in die französische Ligue 1. Nach zwei Jahren kehrte sie verletzungsbedingt zurück in die Schweiz, zum FC Basel. Die Stürmerin gehörte zum U19-Nationalteam, das an der EM 2016 die Halbfinals erreichte. In der A-Nati absolvierte Surdez bisher vier Länderspiele.

«Mit Blessuren kenne ich mich bestens aus. Damals bei Yverdon zog ich mir meine schlimmste Verletzung zu: Kreuzbandriss und Meniskusriss an beiden Knien», so Surdez erstaunlich nüchtern. Von ihrem Leidensweg erzählt sie im Kraftraum des FCB-Campus, wo sie derzeit ein Aufbautraining absolviert.

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«Ich weiss, dass mein Team auf mich wartet», sagt Surdez.

«Klar bin ich mit meinen Stärken eine Option für die Nati.»

In ihrer Zeit bei YB musste Surdez die Vernarbung im Knie operieren. «Und bei Bordeaux erlitt ich erneut einen Meniskusriss, gefolgt von einer OP.» Leider sei das nicht das Ende der Verletzungsmisere gewesen. Vor rund einem Monat entdeckten die Ärzte einen Knorpelschaden am Knie – einmal mehr musste Surdez unters Messer.

Camille Surdez im Kraftraum:

Video: watson/Aya Baalbaki

«Beim EM-Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft sass ich zitternd auf dem Sofa. Ich halte dieses Gefühl kaum aus, nicht mitwirken zu können. Es ist schon ein geiles Gefühl, mit dem Team Erfolge zu feiern.» Das vermisst die FCB-Stürmerin am meisten.

In der Regel schaut sie keine Spiele im Fernsehen, das sei nicht so spektakulär, wie wenn man selber auf dem Platz stehe. «Du musst wissen, mir fällt es extrem schwer, neben dem Platz zu stehen und zuzuschauen. TV-Spiele schaue ich nur, wenn es mich betrifft oder ich per Zufall darauf stosse. Mir fällt es schwer, die Kontrolle abzugeben. Entweder stehe ich selbst auf dem Platz und gebe Vollgas, oder ich lasse es lieber sein.»

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Im Aufbautraining geht es nun darum, die Stabilität und Kraft zurückzugewinnen.

Dem Traum von der EM 2022 in England stehe nichts im Weg, solange sie ihr Aufbautraining sauber absolviere. «Klar bin ich mit meinen Stärken eine Option für die Nati. Die Konkurrenz ist gross, davor muss ich mich aber nicht scheuen», sagt sie selbstbewusst.

Als Hoffnungsträgerin wechselte Camille Surdez im vergangenen Sommer von Bordeaux zum FCB. Ihr geht es darum, Selbstvertrauen zu tanken, um dann wieder voll durchzustarten. Sie scheint auf dem richtigen Weg zu sein: Trotz Verletzungspech hat die Neuenburgerin mit zehn Toren die meisten Treffer ihres Teams erzielt.

Im besten Fall kehrt sie zu Beginn der neuen Saison wieder auf den Platz zurück – beim Gedanken an den Worst Case bekommt Surdez glasige Augen. «So schlimm diese Gedankenspiele auch sind, sie gehören dazu. Ich habe mich schon oft gefragt, ob ich weiterhin mit diesen Schmerzen spielen möchte. Und was, wenn ich nicht wieder gesund werde? Es sind viele Fragen, die unbeantwortet bleiben.»

Vom Schlimmsten gehe sie aber nicht aus, solange sie weiter diese Unterstützung erfahre. Ein Konditionstrainer und ein Physiotherapeut stehen Surdez fast täglich zur Verfügung. «Es ist sehr professionell hier in Basel – ich muss mich um nichts anderes kümmern als um meine Gesundheit.» Nach der Matura im Gesundheitsbereich hat Surdez als Vollprofi gelebt. Wenn sie irgendwann in die Arbeitswelt zurückkehren wird, möchte sie Menschen mit Behinderungen unterstützen oder Suchterkrankte begleiten.

Doch das ist Zukunftsmusik. Noch setzt sie voll auf den Sport. Die Liebe zum Ball ist ihr ins Gesicht geschrieben. Strahlend erzählt sie: «Wenn ich mich auf den Ball fokussieren kann, vergesse ich alles um mich herum. Nächste Saison möchte ich meinen ersten Meistertitel holen. Ich weiss, dass mein Team auf mich wartet.»

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