Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Mit dem Match YB gegen Lugano wird das Berner Wankdorf Stadion, am Samstag, 7. Juli 2001, verabschiedet. Das Wankdorfstadium wird am 3. August 2001 gesprengt. (KEYSTONE/Edi Engeler) === ELECTRONIC IMAGE ===

Ein letztes Mal kamen über 20'000 Fans ins alte Wankdorf-Stadion. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Ausgerechnet Burri trifft – und dann ist das legendäre Wankdorf-Stadion Geschichte

7. Juli 2001: Die Young Boys und Lugano bestreiten das letzte Spiel im alten Wankdorf-Stadion. Die Partie endet 1:1 – Reto Burri erzielte das letzte Tor in der Kultstätte. Einen Monat später wurde der Mythos Wankdorf gesprengt.

Rolf Bichsel / Keystone-SDA



Das letzte Spiel! 22'200 Zuschauer kamen zur Dernière, unter ihnen der deutsche Ehrenspielführer Uwe Seeler und Ottmar Walter, ein Weltmeister von 1954. Gerhard Schröder, der Kanzler, entsandte eine Trauerbotschaft.

Reto Burri, der letzte Torschütze, erzählt, dass er «heute noch auf dieses letzte Tor im Wankdorf angesprochen wird». Die YB-Fans hätten sich womöglich einen anderen letzten Torschützen gewünscht. Burri war bei den Fans nicht beliebt. Manchmal hätte er sogar Angst gehabt, von den eigenen Fans zusammengeschlagen zu werden, so Burri im Rückblick.

abspielen

Reto Burri blickt auf das legendäre Spiel zurück. Video: YouTube/BSC Young Boys

Die besten Zeiten hatten Klub und Stadion hinter sich

Denn die Zeiten damals meinten es mit YB nicht gut. In der Saison zuvor kamen teils weniger als 2000 Zuschauer ins Wankdorf, «deshalb genossen wir es, ein letztes Mal in einem vollen Wankdorf spielen zu können». Burri erlebte mit YB vom tristen Tabellenende in der Nationalliga B bis zur Rückkehr ins Oberhaus im Frühling 2001 alles mit – inklusive monatelang ausbleibender Lohnzahlungen. Im persönlichen Rückblick überwiegt dennoch das Positive: «In dieser Zeit zeichnete sich ab, dass YB wieder auf den richtigen Weg kommt.»

YB – Lugano erwies sich an diesem letzten grossen Abend des in die Jahre gekommenen Stadions nur als Nebensache. Das Wankdorf-Stadion war zu dieser Zeit von den Jahrzehnten gezeichnet: Rohre waren zu sehen, der Verputz bröckelte, die Farbe blätterte ab. Die besten Zeiten hatte diese Arena längst hinter sich.

Das Wankdorf-Stadion ist für die Fussball-WM 1954 gebaut worden. Aus dem WM-Final Deutschland – Ungarn (3:2) wurde das «Wunder von Bern». Fünf Jahre später gewann YB im Wankdorf vor 60'000 Zuschauern im Europacup der Meister das Halbfinal-Hinspiel gegen Stade Reims 1:0. Das waren die grössten Zeiten.

Ende der Neunzigerjahre wurde das Wankdorf aber auch zum Sinnbild für den Niedergang der Young Boys. Das Stadion starb zusammen mit YB ganz langsam vor sich hin. Kein Mensch kümmerte sich darum. Als Beispiel dafür die Episode des Eidgenössischen Schwingfests von 1998, als ein im Anspielkreis aufgestelltes Holz-Brünneli den Rasen auf Monate hinaus ruinierte. Der Fussballverband nahm dem Wankdorf die Cupfinals und die Länderspiele weg.

Time to Say Goodbye

Aber dennoch liebten die Berner ihr Stadion. Und deshalb bleibt der 7. Juli 2001 unvergessen. Nach dem Schlusspfiff folgte die Abschiedsgala – eine Licht- und Laser-Show, die ganz und gar nicht zum alten Stadion passte. Auf einer immensen Leinwand wurden die grössten und wichtigsten Ereignisse nochmals visualisiert. Kugelstosser Werner Günthör vollführte einen symbolischen Spatenstich für den Bau der neuen Arena, die vier Jahre später eingeweiht wurde. Doch so richtig los ging die Party erst, als die letzten Töne von «Time to Say Goodbye» von Andrea Bocelli verklungen waren.

Die Fans nahmen den Abriss des Stadions in die Hand. Sobald der Weg aufs Spielfeld frei stand, galt die Jagd nach Trophäen und Erinnerungsstücken als lanciert. Der gesamte «heilige Wankdorf-Rasen» fand stückchenweise den Weg in private Gärten oder Blumentöpfe. Alles, was man irgendwie transportieren konnte, wurde eingepackt. Zuerst gingen die Trainerbänke weg. Aber auch Corner-Flaggen, die Tore, Bänke, Schilder, Stühle, ja sogar der Präservativ-Automat – alles wurde mitgenommen. Die letzten «Sammler» verliessen das Stadion erst nach der Geisterstunde. Die 40 angestellten Securitas und ein paar Polizisten in Zivil vermochten die Räumung nicht zu verhindern.

Junge Fans nehmen nach dem Spiel zwischen YB und Lugano am Samstag, 7. Juli 2001, ein Teil des Rasens des Wankdorfstadions in Bern als Souvenir mit nach Hause. Das Wankdorfstadium wird am 3. August 2001 gesprengt. (KEYSTONE/Edi Engeler) === ELECTRONIC IMAGE ===

Ein Stück Wankdorf-Rasen – welcher Berner Giel träumt nicht davon? Bild: KEYSTONE

Die legendäre YB-Bahre mit den gelb-schwarzen Rädern, mit der verletzte und simulierende Spieler zügig vom Rasen abtransportiert werden konnten, schnappten sich Fussball-Junioren aus dem Emmental. Aber gerade dieses YB-Kultgut wollte der BSC Young Boys unbedingt ins neue Stade de Suisse (das seit dem 1. Juli 2020 jetzt offiziell wieder Wankdorf heisst) zügeln – als Erinnerung ans alte Stadion. Über die TV-Sendung «Schweiz aktuell» begann die Suche nach dem Unikat. Und tatsächlich fand das Stück innerhalb von weniger als einer Woche unbeschädigt den Weg zurück nach Bern – und wird im Wankdorf heute noch benützt.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

So feiert YB den ersten Meistertitel seit 32 Jahren

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2

Hühnerhaut garantiert: Hoarau verabschiedet sich mit Büne-Huber-Duett von den YB-Fans

Nach sechs Jahren in gelb und schwarz ist die Zeit des Abschieds gekommen. Guillaume Hoarau hat die Berner Young Boys nach drei Meistertiteln in Folge verlassen. Just an dem Tag, an dem seine Unterschrift beim FC Sion bekannt wird, verabschiedet er sich in den sozialen Medien von den YB-Fans.

Mit Patent-Ochsner-Frontmann Büne Huber hat der Stürmer ein Duett aufgenommen. «Gäub und Schwarz» heisst die angepasste Version von «Scharlachrot» und richtet sich direkt an die Fans des Schweizer …

Artikel lesen
Link zum Artikel