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Urs Rohner, right, president of the board of Credit Suisse, speaks during a press conference of the Observation of Iqbal Khan in Zuerich, Switzerland, Tuesday, Oct. 1, 2019. (Ennio Leanza/Keystone via AP)

Urs Rohner, Verwaltungsratspraesident tritt nach zehn Jahren ab. Bild: AP

Skandale, Skandale, Skandale – die Ära von Urs Rohner endet, wie sie einst begann

Im April 2011 wird er zum neuen CS-Chef ernannt. Während der Amtszeit von Urs Rohner gibt es viele Skandale. Ein einstiger Kläger, der bis vor Bundesgericht ging, sieht die Schuld indes anderswo. Diesem fehlt heute gar das Geld für die Rente.

Niklaus Vontobel / ch media



Es ist April 2011, wenige Tage, bevor Urs Rohner zum Präsidenten gewählt wird. Auf dem Zürcher Paradeplatz steht Hugo Rey vor dem Hauptsitz der Credit Suisse. Mit einer Gruppe anderer Kunden demonstriert der frühere Schweizer Meister im Crosslaufen gegen den damals aktuellen CS-Skandal.

Zehn Jahre später, im April 2021, steht Rohner kurz vor dem Abschied als Präsident. Seine CS steckt so tief in Skandalen, dass die «Financial Times» vom «Casino Suisse» schreibt. Hugo Rey, nun 64 Jahre alt, vergleicht am Telefon damals und heute. Für ihn spielt Rohner im «Casino» eine Nebenrolle.

«Die handelnden Personen ändern sich, die Mechanismen bleiben die gleichen», sagt Rey. Lange vor Rohners Wahl wird ihm von seinem Berater verkauft, was «100 Prozent kapitalgeschützt» sein soll, ihn später aber überhaupt nicht schützt. Als Rey sich wehrt, blockt die CS erst ab. Als er Klage einreicht, bietet sie einen Vergleich an. Doch nun will Rey nicht mehr.

Hinter Finanzskandalen stehen oft Innovationen

Bis vors Bundesgericht zieht Rey, doch er unterliegt. Die CS habe ihre Aufklärungspflicht nicht verletzt. In den aktuellen Skandalen erkennt Rey die eigene Geschichte:

«Die Bank lenkt Milliarden an den falschen Ort– andere tragen die Verluste.»

Im Zentrum von Finanzskandalen stehen oft Innovationen. So ist es auch in jenem Skandal, in den Rey hineingezogen wird. Damals sind es strukturierte Produkte. Diese Strukis werden damals von Bankberatern der CS fleissig empfohlen. Sie versprechen Sicherheit: «100 Prozent Kapitalschutz». Und sie werfen eine höhere Rendite ab. Woher diese kommt, wissen die wenigsten Kunden.

Auf jeden Fall sind Strukis innovativ und ein Verkaufsschlager. Die CS verdient hübsch daran. Alle sind happy. Dann bricht die Finanzkrise aus. Die Börse crasht. Die amerikanische Bank Lehman Brothers wird insolvent. Zu Reys grossem Erstaunen ist damit sein Kapitalschutz dahin. Er hatte sich bei seinem Berater ausbedungen, er wolle keine US-Anlagen haben und keine Anlagen in Dollar. Aber den Gerichten reicht das später nicht. Am Ende hat Rey rund 50'000 Franken verloren. Für den Gang bis vor das Bundesgericht legt er ähnlich viel aus. Heute fehlt ihm das Geld für seine Rente.

Und dennoch gibt Rey die Schuld nicht Einzelpersonen wie dem ehemaligen Hürden-Sprinter und späteren CS-Präsidenten Urs Rohner. Für ihn steht hinter seinen Erlebnissen ein ganzes System. Gemeint sind die Banken selbst, Aufsichtsbehörden, aber auch Politik und Justiz. Sie böten dem Rest der Gesellschaft nicht ausreichend Schutz, wenn die Banken wieder einmal irrten. «Das war damals so, das ist immer noch so.»

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In Rohners Amtszeit reiht die CS einen Skandal an den anderen. Mit dem Hedgefonds Archegos handelt sich die Bank voraussichtlich einen Verlust von 5 Milliarden Franken ein. Davor wird die Beschattung eines ehemaligen Topmanagers bekannt. 2014 gesteht die CS in den USA «kriminelle Aktivitäten» ein.

Doch dieser Skandal hat seine Wurzeln in der Zeit vor dem Präsidenten Rohner. Und auch ohne Rohner an der Spitze lief die CS immer wieder in Skandale hinein. 2008 zum Beispiel kam heraus, dass ein Händlerteam in London fast 3 Milliarden Franken verspielt hatte.

Die aktuellen Skandale der Credit Suisse erinnern nicht nur Hugo Rey an die Strukis. Im Skandal um das Fintech-Unternehmen Greensill hatte die CS ihren Kunden neuartige Fonds empfohlen. Diese Fonds galten als sicher, versprachen mehr Rendite, und dahinter stand vermeintlich eine Innovation mit dem visionär klingenden Namen «Supplychain-Finance». Wie sich später zeigt, steckten hinter der Vision veraltete Stahlwerke in Grossbritannien.

Die Supplychain-Fonds enthielten verbriefte Forderungen, und zwar Forderungen von Lieferanten an Kunden. Die Lieferanten verkauften diese Forderungen an das Finanzunternehmen Greensill.

Greensill verbriefte sie zu Wertpapieren und packte sie in Fonds. Die Credit Suisse mit ihrer globalen Marketingpower lockte hernach Superreiche herbei, die sich in diese Fonds einkauften. Neu war die Verbriefung. Alt war das Abkaufen von Forderungen, die Lieferanten haben. Das alte Geschäft war solid, aber nicht hipp. Es wurde Ryanair geflogen. Der Gründer von Greensill, Lex Greensill, flog Privatjet.

Greensill stand kurz vor einem Börsengang. Die Erwartung war, das Fintech-Unternehmen würde mit 40 Milliarden Dollar bewertet werden. Nun ist der schöne Schein implodiert. Mehr und mehr sieht es danach aus, als ob die Investoren ihr Geld nicht in ein visionäres Fintech-Unternehmen investiert haben. Sondern das Geld floss in altbekannte Technologien: die Verarbeitung von Stahl in Grossbritannien oder den USA. Von einer erhofften Finanzinnovation bleibt anscheinend nur ein Skandal übrig.

«Wenn man etwas sieht, was nicht okay ist, muss man etwas tun.» So erklärt Rey heute, warum er den damaligen Gang vor Gericht nicht bereut, und es jederzeit wieder tun würde, trotz der Kosten. Und immerhin bewegten sich damals doch einige Dinge zu Gunsten von Kleinanlegern. Denn zwar stellt die Finanzmarktaufsicht Finma ihre Untersuchung ein. Das geltende Aufsichtsrecht sei nicht schwerwiegend verletzt worden.

Doch stellt die Finma zugleich fest, das geltende Recht genüge nicht. «Korrekturbedarf» gebe es, die Anleger würden nicht genug geschützt in der Beratung und Vermögensverwaltung. Es ist eine Version dessen, was Rey sagt, als er im April 2011 zur Demonstration auf dem Zürcher Paradeplatz steht: «Jedes Joghurt ist besser deklariert als manche Anlage-Produkte der Banken.»

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