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Was Kinder über Geld wissen wollen und was sie sich von uns wünschen

Was wissen unsere Kinder über Geld? Welche Fragen haben sie und was wünschen sie sich von uns Erwachsenen? Ein Küchentischgespräch mit Markus* (11) und Lukas* (10).
22.10.2020, 16:04
Olga Miler
Olga Miler
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Dass unser Verhältnis zu Geld schon sehr früh, im Alter von fünf bis sieben Jahren, geprägt wird, ist in verschiedenen Studien belegt. Mich hat interessiert, was Kinder über Geld denken, wie sie damit umgehen, was sie in der Schule lernen und welche Fragen sie dazu haben, aber auch, was sie bewegt. In den Herbstferien habe ich zwei Jungs, 10 und 11 Jahre alt, zu einem Küchentischgespräch eingeladen. Überredungskunst hat das gebraucht – «Geht das lange?» – und um zu verhindern, dass sie von den Freunden ausgelacht werden, musste ich hoch und heilig versprechen, die Namen zu ändern (*Lukas und Markus dienen hier als frei gewählter Ersatz). Dann sassen wir da bei Eistee und Süssigkeiten und haben sehr lange über Geld geredet.

Was ist Geld für euch und interessiert euch das als Thema überhaupt?
Lukas: «Öpis Blöds», weil viele Leute gar nichts haben. Ich finde es ein bisschen blöd, weil die einen haben viel, die anderen wenig. Mich interessiert Geld eigentlich nicht, viel mehr, was man damit macht.
Markus: Mich interessiert, was man damit macht und was dabei rauskommt.

Denkt ihr, Geld ist wichtig?
Lukas: Also, man braucht es zum Beispiel «zum Chrömle». Es ist so was, das wir nutzen können.
Markus (mit einem ernsthaften Gesicht an Lukas gerichtet): Ist aber schon ziemlich wichtig, oder? Also es hilft schon, für Essen, Haus und so.

Wie habt ihr euch Geld früher, als ihr noch ganz klein wart, vorgestellt?
Lukas: Als ich klein war, da hat das für mich gar keinen Sinn gemacht. Ich hab’s einfach nicht verstanden. Ich weiss noch, ich habe diese Plastikkarten überhaupt nicht verstanden. Du gibst jemandem ein Stück Plastik und kriegst dann was dafür. Ich verstehe das heute noch nicht, wie man das eingibt und wie viel was wirklich kostet.
Markus: Wir wussten gar nicht, was Geld ist. Es hat gar keine Rolle gespielt. Bei mir hat sich das (mit dem Geldverständnis) dann einfach so entwickelt. Aber ich weiss noch viel zu wenig, zum Beispiel wie das mit den Steuern geht.

Ist Geld etwas, worüber ihr in der Schule redet?

«In der Schule reden wir nicht viel über Geld. Am ehesten noch fragt man, was etwas gekostet hat, wenn jemand etwas hat.»
Lukas, 10 Jahre

Markus: Ja, aber untereinander redet man auch darüber, wer wie viel Sackgeld hat, oder?
Lukas: Ja. Wenn wir zusammen in der Gruppe sind, dann kauft immer einer für alle die Süssigkeiten, dann das nächste Mal kauft der nächste was für die anderen. Wir finden das gerecht. Manchmal haben wir auch Streit wegen Geld, zum Beispiel hat jemand mal gesagt, dass er kein Geld hat, als er an der Reihe war, hat nichts gekauft und ging dann heimlich nach Hause Geld holen. Da sind wir uns ausgenutzt vorgekommen.

Habt ihr in der Schule auch was über Geld gelernt?
Markus: Über Geld selber haben wir in der Schule gelernt, wie man damit rechnet, so mit Währungen, zum Beispiel Euro in Franken umrechnen und so.
Lukas: Ja, und wir haben das Millionenlied gelernt.

Was ist reich sein für euch und habt ihr Vorbilder, die reich sind?
Markus: Wenn man ganz viel Geld hat oder wenn man genug zum Leben hat. YouTuber haben viel Geld.
Lukas: Ich glaube, wir sind so «halb-reich», wir haben ja genug. Ich glaube, dass reiche Leute traurig sind, weil sie schon alles haben.

«Für mich ist ein Vorbild jemand, bei dem ich so werden will wie er. Wichtiger als Geld ist, wie die Person ist und was sie kann.»
Markus*, 11 Jahre

Wisst ihr, wie Geld wächst?
Beide sammeln Ideen: Lohn, Sackgeld, Kinderzulagen, Zinsen, wenn man es auf die Bank tut, dann kriegt man Zinseszins. Markus: Man kann auch Aktien kaufen, die wachsen dann.

Gibt es bei euch in der Schule Kinder, die arm sind?
(Nachdenkliche Gesichter, beide schauen sich an)
Markus: Wir haben Kinder, die weniger Geld haben. Aber traurig sind sie nicht.
Lukas: Ich glaube, wir haben niemanden, der wirklich sehr arm ist.

Kinderarmut in der Schweiz steigt

Gemäss Caritas (2020) steigt die Kinderarmut in der Schweiz stetig: 144'000 Kinder waren 2018 von Armut betroffen und die Armutsquote von Kindern ist sprunghaft von 6,9% auf 9,6% angestiegen.

Laut UNICEF (2020) ist jedes fünfte Kind in der Schweiz durch Armut gefährdet. Damit liegt die Schweiz deutlich vor anderen Ländern wie Dänemark, Deutschland und Irland. In jeder Schulklasse gibt es im Durchschnitt eins bis drei armutsgefährdete Kinder.

Habt ihr Angst, dass ihr mal arm sein könntet?
Lukas: Ja, sehr. Ich finde das wirklich schlimm und ich kann mir das gar nicht vorstellen, wie das wäre.
Markus: Ist wie ein Schock, wenn man kein Geld mehr hat. Wenn du kein Geld hast, dann kannst du gar nichts machen.
Lukas: Viele Kinder haben Angst davor, arm zu sein. Wir sehen viele Bilder, wir sehen auch bei uns Kinder und Menschen auf der Strasse, die sehr arm sind. Ich war in den Ferien, da habe ich viele Menschen auf der Strasse gesehen.

«Ich fühle mich auch schuldig gegenüber denen – weil es den einen so schlecht geht und wir manchmal unsorgfältig mit unserem Geld umgehen.»
Lukas, 10 Jahre

(Wir sprechen weiter über Armut).
Lukas: Die armen Kinder gehen uns sehr nah, wenn wir Bilder sehen und so.
Markus: Ich komme oft gar nicht damit klar, dass wir so viel Glück haben, in der Schweiz zu sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie gut es uns eigentlich geht. Wir haben ziemlich Glück.

Habt ihr zu Geld Fragen, die euch interessieren?
Markus: Wie viel verdient ein Mensch in der Schweiz im Monat? Wie viel verdient ein ultrareicher Mensch im Monat? Tag?

Warum wollt ihr das wissen?
Markus: Damit wir später wissen, ob das, was wir haben, gut ist (Wir schauen es nach: 78'000 Franken im Jahr ist der Durchschnittslohn in der Schweiz, das sind 6'500 Franken im Monat.)
Markus: Ich habe mir mehr vorgestellt. Das ist nicht so viel. Was kostet eine Wohnung in der Schweiz? Das geht aber lange, bis man eine kaufen kann...

Habt ihr Wünsche, für die ihr spart?
Lukas: Ein paar kleine Sachen. Ich wünsche mir sonst eher zu Weihnachten und zum Geburtstag.
Markus: Ich spare eher, weil ich denke, dass ich das Geld irgendwann mal brauche, zum Beispiel für den Beruf.

Was können Eltern machen, damit Kinder lernen, gut mit Geld umzugehen?
(das gibt bei den Wünschen und den Tipps eine ganze Reihe von Vorschlägen, hier die wichtigsten Aussagen)

  • Erklärt die Sachen und wie es funktioniert, zum Beispiel Steuern, Zinsen etc.
  • Zahlt das Sackgeld regelmässig.
  • Helft uns, einen vernünftigen Job zu finden.
  • Schaut, dass wir nicht von der Bahn abkommen, und verwöhnt uns nicht zu sehr.
  • Sagt uns nicht: «Mach das, und mach das», bringt uns bei, wie wir es selber machen können. Nehmt nicht alles auf euch. Mein Bruder hat Jugendlohn, das ist ziemlich cool.

Welche Tipps habt Ihr für andere Kinder?

  • Gebt nicht alles für Süssigkeiten aus.·
  • Behaltet immer eine kleine Reserve.·
  • Fallt nicht auf alles rein, zum Beispiel auf Pokemonkarten, da gibst du ziemlich viel Geld aus, dann hast Du nur Karten.

Mehr zum Thema: Warum es wichtig ist, mit deinen Kindern über Geld zu sprechen >>

«Aber es ist wichtig, dass man auch Spass hat»
Markus*, 11 Jahre

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Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Ab dem 27. Januar wird uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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