DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: keystone/zvg/watson

Die Migros gibt ihren Produkten neu Noten (– und nicht nur gute)

Die Migros führt ein neues Bewertungssystem ein, mit dem Kunden herausfinden können, ob ein Produkt umwelt- und tierfreundlich ist. Slow Food begrüsst die Initiative, hofft aber auf maximale Transparenz.
Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!
22.03.2021, 10:14
Mehr «Wirtschaft»

(Fast) genau wie in der Schule. Seit dieser Woche bewertet die Migros ihre eigenen Produkte auf einer Skala von 1 bis 5. Verkehr, Auslauf im Freien, Einsatz von Medikamenten oder Düngemitteln, Bewässerung – viele Themen werden berücksichtigt. Mit der Nachhaltigkeitsskala M-Check will der Einzelhändler seine Kunden auf einen Blick über das Tierwohl und die Ökobilanz informieren.

Vorerst werden nur die Kriterien Tierwohl und Klima bewertet, die von den Kunden als die relevantesten im Kaufentscheid eingestuft würden, heisst es auf der dazugehörigen Nachhaltigkeits-Webseite der Migros. Später sollen aber auch andere Kriterien in den M-Check einfliessen.

Und das Ergebnis ist nicht immer positiv: Ein Stück Rindfleisch zum Beispiel wird in der Kategorie «Klima» nie mehr als ein Stern erhalten. «Auf diese Weise ermöglichen wir unseren Kunden, eine informierte Wahl zu treffen», sagt das Unternehmen.

Die Bewertungen basieren gemäss dem Communiqué auf wissenschaftlichen Grundlagen. Beim Klima hat laut der Webseite die Ökobilanzierungsfirma Treeze die Bewertung vorgenommen, die dann zusätzlich durch die Stiftung Myclimate überprüft wurde. Das Tierwohl wurde von der Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL bewertet.

Bis 2025 will die Migros sämtliche Produkte ihrer rund 250 Eigenmarken mit der M-Check-Bewertung versehen, auch im Bereich Non-Food. Das entspräche dann etwa 80 Prozent des Sortiments oder rund 70'000 Artikel, heisst es.

Josef Zisyadis, ist Co-Präsident von Slow Food Schweiz, einem Verein, der das Recht auf gute, saubere und faire Lebensmittel verteidigt.
Josef Zisyadis, ist Co-Präsident von Slow Food Schweiz, einem Verein, der das Recht auf gute, saubere und faire Lebensmittel verteidigt.
Bild: keystone
«Wir sind nicht nur Konsumenten»
Josef Zisyadis, was halten Sie von der Migros-Initiative?
Ich denke, es ist sehr gut, es ist ehrenwert, die Erwartungen der Esser zu erfüllen. Aber man muss auch sehen, dass es nach all den Lebensmittelskandalen eine grosse Vertrauenskrise gibt. Angesichts der Erwartungen der Bevölkerung können die Produzenten und Händler nicht in ihrem Elfenbeinturm bleiben, sie spüren, dass sie etwas tun müssen. Nach und nach müssen wir den Essern eine echte Rolle geben. Wir sind nicht nur Konsumenten, es muss normal werden, uns zu informieren.

Inwiefern ist dieses Tool ein Gewinn für die Verbraucher?
An sich bin ich kein grosser Fan von diesen ganzen Bewertungssystemen, wir wollen ja auch nicht, dass das Produkt zu einem Weihnachtsbaum wird. Aber es ist nützlich für den Verbraucher, eine schnelle Referenz zu haben, um zu wissen, ob es gut ist oder nicht. Das Label erleichtert die Auswahl. Vielleicht nehme ich ein Produkt trotzdem, weil es am billigsten ist, aber zumindest bin ich informiert.

Warum ist es für uns wichtig, besser informiert zu sein?
Wir stehen am Ende der Kette, aber wir sind nicht einfach Menschen, die schlucken, was andere zubereiten. Auch wir haben unsere Befindlichkeiten. Die Esser sollten gleichberechtigte Partner mit den Erzeugern, Verkäufern und Köchen sein. Die Zukunft besteht meiner Meinung nach darin, dass der Respekt vor dem Verbraucher zu einem Reflex werden muss. Ich hoffe, dass dies einen Dominoeffekt haben wird.

Geht die Migros mit ihren Noten weit genug oder sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Es ist gut genug, dass ein grosses Unternehmen beschlossen hat, ein solches System einzuführen. Das ist ein erster Schritt, aber es gibt noch viel Raum für Verbesserungen. Wenn wir weiter gehen wollen, müssen die Regeln völlig transparent sein. Ein klassisches Etikett ist mit einem Satz von Spezifikationen verknüpft. Aber in diesem Fall hat die Migros die Kontrolle über ihr Rating. Ich hoffe, sie werden ihre Kriterien ins Internet stellen. Auch andere Organisationen, wie Slow Food, sollten in den Prozess einbezogen werden. Meiner Meinung nach ist dies die Glaubwürdigkeit, die sie in Zukunft anstreben sollten.

Die Migros geht das Risiko ein, dass einige ihrer Produkte in den Augen ihrer Kunden abgewertet werden. Was meinen Sie, wonach sie suchen?
Ich glaube nicht, dass die Migros ein so grosses Risiko eingeht, denn leider ist es immer noch der Geldbeutel, der über vieles entscheidet. Das Recht auf Nahrung sollte das Recht auf hochwertige Nahrung sein, nicht auf mittelmässige Nahrung. Die Migros versucht zu zeigen, dass sie sich über das Thema Gedanken macht – angesichts des aktuellen Drucks mussten sie es tun.

(awp/sda/watson)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Nur so: Gemüse und Früchte lassen sich bestens grillieren!

1 / 12
Nur so: Gemüse und Früchte lassen sich bestens grillieren!
quelle: whatsgabycooking.com / matt armendariz
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Liebe Schweiz, wir müssen über deine Hot-Dog-Maschinen reden ...

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie ein schwedischer Hafermilchproduzent die Welt erobern will

«Wie Milch, nur für Menschen»: Dieser Satz ziert derzeit zahlreiche Plakatwände in Zürich und Basel. Dahinter steckt der schwedische Hafermilchproduzent Oatly. Und dieser kennt in Sachen Wachstum nur eine Richtung: Steil bergauf.

Die Kuhmilch hat ein Imageproblem. Immer mehr Kundinnen und Kunden kippen sich stattdessen Soja-, Hafer- oder Mandelmilch in den Kaffee. Gemäss dem Marktforschungsinstitut Nielsen hat der Absatz von Milchalternativen allein im Jahr 2019 um 25 Prozent zugenommen. Die Detailhändler Migros und Coop stocken laufend ihr Sortiment auf.

Der Markt der Milchalternativen ist umkämpft. Einer, der ganz vorne mitmischt, ist der schwedische Hafermilchproduzent Oatly. 1994 begannen schwedische Wissenschaftler …

Artikel lesen
Link zum Artikel