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Credit-Suisse-Risikochefin Lara Warner

Gefeuert: Lara Warner, Chefin des Risikomanagements. Bild: zvg/credit suisse

Kommentar

CS: Die Zeiten der Herren des Universums sind vorbei



Die Nullerjahre waren paradiesisch für die Banker. Neue Finanzinstrumente sorgten für phänomenale Gewinne. Klassenprimus Goldman Sachs erzielte in den besten Zeiten eine Kapitalrendite (ROE) von gegen 40 Prozent. Bei der Deutschen Bank schrieb Josef Ackermann seinen Mannen wenigstens 25 Prozent vor, derweil bei der UBS Marcel Ospel davon träumte, Merryl Lynch zu übernehmen und der grösste der Masters of the Universe, der Herren des Universums, an der Wall Street zu werden.

Die Finanzkrise 2009/09 zerstörte diese Grössenphantasien, und zwar gründlich. Davon haben sich die Banken nie wirklich erholt. Ein ROE von 25 Prozent ist im Zeitalter von rekordtiefen Zinsen nicht nur amoralisch, es ist auch unrealistisch geworden. Selbst bei Goldman Sachs bäckt man inzwischen kleinere Brötchen. Neues Alphatier ist der Vermögensverwalter BlackRock. UBS und CS haben derweil versprochen, das riskante Investmentbanking zugunsten des Wealth Managements zurückzufahren.

ARCHIV - ZUM TOD DES EHEMALIGEN UBS.VERWALTUNGSRATSPRAESIDENTEN MARCEL OSPEL (1950-2020) STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Outgoing UBS AG chairman Marcel Ospel waves with mustard after shareholder Rudolf Weber presented him with sausages,

Wollte einst das grosse Rad an der Wall Street drehen: UBS-Chef Marcel Ospel. Bild: AP

Die Rahmenbedingungen haben sich fundamental verändert. Nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems wurde der Eigenhandel an der Wall Street massiv eingeschränkt und damit eine wichtige Einnahmequelle der Traumrenditen zum Versiegen gebracht. Null- oder gar Negativzinsen sind dem Bankgeschäft ebenfalls nicht wirklich förderlich.

Wer in diesem Umfeld viel verdienen will, muss hohe Risiken in Kauf nehmen. Weil die Optionen für den Eigenhandel eingeschränkt sind, muss man diese Risiken über Umwege eingehen. «Die Banken an der Wall Street sind zunehmend auf Gebühren und Kommissionen von Hedgefonds und Family Offices angewiesen», stellt der «Economist» fest.

Ein solcher Umweg ist der CS zum Verhängnis geworden. Der ehemalige Hedgefond-Manager Bill Hwang hat sich mit seinem Family Office Archegos auf hochrentable, aber auch hochriskante Deals spezialisiert. Für diese Deals pflegt er jeweils bloss 15 Prozent Eigenkapital aufzubringen, den Rest leiht er sich bei Banken. Im Gegenzug dafür zahlt er ohne zu feilschen stattliche Gebühren.

Die Investmentbanker der CS an der Wall Street konnten dieser Verlockung nicht widerstehen – und das Risikomanagement war überfordert. Bill Hwang verzockte sich – und wie! Die CS gibt nun bekannt, dass sich der Schaden bei ihr auf 4,4 Milliarden Franken beläuft.

ARCHIV - 20.07.2020, Bayern, Aschheim: Das Wirecard-Logo ist am Hauptsitz des Zahlungsdienstleisters zu sehen. Das Streamingportal TVnow will ab Ende M

Auch beim Skandal um Wirecard sah die CS alt aus. Bild: keystone

Es handelt sich dabei um den jüngsten, aber beileibe nicht einzigen Verlust, den die CS in den letzten beiden Jahren verkraften musste. Die Bank hat sich bereits vom australischen Finanzjongleur Lex Greensill blenden lassen und dabei einen Verlust in noch unbekannter, aber wahrscheinlich ebenfalls in Milliardenhöhe eingefahren.

Zuvor schon wurde die CS am falschen Ende eines Handels mit dem chinesischen Starbucks-Verschnitt Luckin Coffee erwischt. Beim Kollaps des deutschen Finanz-Tech-Unternehmens Wirecard war man ebenfalls mit dabei. Zwiespältige Geschäfte in Moçambique und Bulgarien sowie ein 680-Millionen-Dollar-Verlust mit US Mortgage Bonds runden das betrübliche Bild ab, respektive legen den Verdacht nahe, dass man an oberster Stelle nicht genau weiss, was die Zauberlehrlinge an der Front anrichten.

Nun hat die CS gehandelt. Lara Warner, die Chefin des Risikomanagements, ist gefeuert worden, genau wie Brian Chin, der Chef der Investmentbank. Zuvor schon mussten führende Manager des Assetmanagements den Hut nehmen.

Da der Fisch bekanntlich vom Kopf her stinkt, müssten sich nun auch die obersten Chefs Sorgen machen. Doch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner tritt Ende dieses Monats ohnehin ab. Sein Nachfolger, der Portugiese Antonio Horta-Osorio, ist bereits ernannt. CEO Thomas Gottstein könnte dank der Gnade der späten Geburt seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Er ist noch zu wenig lang im Amt, als dass er bereits zur Verantwortung gezogen werden könnte.

Die Manager müssen auf ihre Boni, die Aktionäre auf ihre Dividenden verzichten. Das allein reicht jedoch nicht. Will Antonio Horta-Osario seine Zauberlehrlinge im Investmentbanking und Assetmanagement in den Griff bekommen, braucht er eine neue Kultur. Eine Kultur, die anerkennt, dass die Master-of-the-Universe-Ära vorbei und ein ROE von 25 Prozent eine Illusion geworden ist.

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