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Mai Thi Nguyen-Kim erklärt, was mit dem neuen Coronavirus passieren wird. screenshot: youtube/Mailab

Im Frühling traf sie ins Schwarze – jetzt sagt Nguyen-Kim, wie Corona «endet»

Die Wissenschaftlerin Mai Thi Nguyen-Kim glaubt, dass es länger als erwartet dauern wird, bis wir die Herdenimmunität erreichen werden. Langfristig werden wir unser normales Leben jedoch wieder zurückerhalten.



Es war auf dem Höhepunkt der ersten Welle, als Mai Thi Nguyen-Kim das Video «Corona geht gerade erst los» auf YouTube stellte. Innert weniger Tage stieg die Anzahl Views auf über vier Millionen, heute sind es über sechs Millionen. Damit wurde ihr Beitrag in Deutschland zum «Top Trending Video des Jahres 2020 auf YouTube».

Mit ihren Analysen und Prognosen, welche sie damals auf ihrem YouTube-Kanal «MaiLab» veröffentlichte, sollte die promovierte Chemikerin recht behalten. Das Coronavirus ist noch nicht verschwunden, bis wir eine Herdenimmunität haben, dauert es noch eine ganze Weile. Wir haben über das erste Video ausführlich berichtet, du kannst es dir hier nochmals anschauen.

Nguyen-Kim hat in der Zwischenzeit nicht nur weitere informative, wissenschaftliche Videos auf YouTube veröffentlicht, sondern dafür auch diverse Auszeichnungen erhalten. Unter anderem das deutsche Bundesverdienstkreuz.

>>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Nun hat die Wissenschaftlerin ein neues Video ins Netz gestellt, in dem es um nichts Geringeres als das «Ende» des Coronavirus geht. Nguyen-Kim stellt darin die Fragen, die wohl die meisten von uns gerade tagein, tagaus beschäftigen. Wird es wieder so wie früher? Wann ist Corona zu Ende?

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Nguyen-Kims neuester Streich: «So endet Corona». Video: YouTube/maiLab

Nun, ihre Antworten mögen zunächst ziemlich ernüchternd sein. Denn sie geht davon aus, dass das neue Coronavirus nie wieder ganz verschwinden wird. Auch dürfte es länger dauern, bis die Herdenimmunität erreicht wird, als sich wohl derzeit viele erhoffen.

Aber: Nguyen-Kim zeigt in ihrem Video auch auf, dass es einen Ausweg aus der Pandemie gibt.

Doch von vorne:

Schwelle für Herdenimmunität ist gestiegen

Zunächst geht die Wissenschaftlerin auf die sogenannte «Herdenimmunität» ein. Diese ist dann erreicht, wenn sich die Reproduktionszahl «R» unter 1 befindet, wobei sämtliche Schutzmassnahmen aufgehoben sind. Im Frühling ging man davon aus, dass etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sich mit dem Virus infiziert haben oder geimpft sein müssen, damit diese Herdenimmunität erreicht werden kann.

Hier kommen schlechte Neuigkeiten: Denn das Virus mutiert und einige Mutanten sind ansteckender als der ursprüngliche Strang. Dies hat zur Folge, dass der R-Wert des Coronavirus gestiegen ist. Der R-Wert hat seinerseits wiederum Auswirkungen auf die Herdenimmunität.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Wissenschaftlerin rechnet vor, dass sich wohl bis zu 80 Prozent der Bevölkerung impfen oder infizieren muss, bis es eine Herdenimmunität gibt. Genaue Aussagen zu den Prozentzahlen sind derzeit nicht möglich – Superspreader, Mutationen und sterilisierende Impfungen lassen grüssen. (Schaut euch das Video an, sie erklärt es euch vorzüglich.)

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Wenn der R-Wert ohne Schutzmassnahmen bei 4,5 liegt, müssen 77,8 Prozent der Bevölkerung geimpft oder infiziert werden, um Herdenimmunität zu erreichen. screenshot: youtube/mailab

In vielen Ländern werden jetzt vor allem die vulnerablen Personen geimpft. Diese seien aber nicht unbedingt die Treiber der Pandemie, hält Nguyen-Kim fest. Etwa die Bewohner eines Altersheims. Die Leute, welche sich in der Öffentlichkeit viel bewegen und viele soziale Kontakte pflegen, werden eher später geimpft.

All dies lässt Nguyen-Kim darauf schliessen: «Bis also ein spürbarer Herdenschutz für alle anläuft, könnte es länger dauern, als es viele bisher erwarten.»

Gleichzeitig appelliert Nguyen-Kim an unsere Ausdauer. Wenn der R-Wert dank der Schutzmassnahmen unter 1 liege und lange dort bleibe, heisse dies nicht, dass das Virus besiegt sei. Sie warnt deshalb vor zu schnellen Lockerungen. «Vorsicht vor einem Schein-Ende der Pandemie!» Das Virus sei erst besiegt, wenn der R-Wert auch ohne Schutzmassnahmen unter 1 bleibe.

Nguyen-Kim erklärt in der Folge, dass sie nicht davon ausgehe, dass das neue Coronavirus jemals ganz ausgerottet werden könne. Heisst also: «Entweder man wird geimpft oder man wird sich anstecken.» Die langfristige Aussicht sei «ein Leben mit Corona».

Was heisst ein «Leben mit Corona»? Dürfen wir uns jetzt nie mehr wieder umarmen?

Nein, keine Sorge. Das tödliche Virus werde letzten Endes zu einer harmlosen Erkältung, meint Nguyen-Kim.

Wie passiert das?

Das neue Coronavirus wird zur harmlosen Erkältung

Wie die Wissenschaftlerin erklärt, schützt die Impfung oder eine Infektion nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor einer Re-Infektion. Jedoch verlaufen die Re-Infektionen milder, die Symptome sind schwächer. Bei einer zweiten Infektion mit dem neuen Coronavirus dürften sich die meisten nur noch fühlen wie bei einer harmlosen Erkältung.

Hierbei gut zu wissen: Bei uns gibt es bereits vier andere Coronaviren, mit denen wir uns meistens zwischen 3 und 5 Jahren infizieren und uns dann «erkältet» fühlen. Kleine Kinder werden sich in Zukunft vermutlich auch mit dem neuen Coronavirus anstecken, haben jedoch meistens keine oder nur wenige Symptome. Wenn sie dann aber in einem Risikoalter sind, haben sie sich bereits einmal infiziert und können mit einem milden Verlauf rechnen.

Sollte das Virus jedoch weiter mutieren und auch für Kleinkinder gefährlich werden, würden auch Kleinkinder standardmässig geimpft, sagt Nguyen-Kim.

Das Fazit

Auf lange Frist wird das neue Coronavirus also nur noch eine harmlose Erkältung sein. Dafür brauchen wir aber eine Herdenimmunität. Bis wir diese erreicht haben, ist das Virus immer noch gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher, wegen der Mutationen.

Am Ende bedankt sich Nguyen-Kim bei all den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die Impfung so schnell möglich gemacht haben. Die Impfung gebe uns «Spritze für Spritze ganz langsam unseren normalen Alltag wieder zurück». (cma)

Das musst du über die FFP2-Masken wissen

Video: watson/jara helmi

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