DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Alte Auto-Reifen, alte Pneus (Symbolbild)

Reifenabrieb ist für rund 97 Prozent aller Mikrogummi-Partikel in der Umwelt verantwortlich. Bild: Shutterstock

Mikroplastik? Nichts im Vergleich zu Mikrogummi aus Reifenabrieb

Kilometer für Kilometer schwindet ein bisschen Profil vom Pneu. Das abgeriebene Gummi landet als Mikropartikel in der Umwelt. Laut Empa-Forschern sind dies erhebliche Mengen.



In der Schweiz landeten zwischen 1988 bis 2018 rund 200'000 Tonnen Mikrogummi in der Umwelt. Zu diesem eindrücklichen Ergebnis kommen Forscher um Bernd Nowack von der Forschungsanstalt Empa. Der grösste Teil davon (97 Prozent) stammt vom Abrieb von Reifen.

Mikrogummi steht weniger im öffentlichen Fokus als Mikroplastik, das auch im menschlichen Körper bereits nachgewiesen wurde. Allerdings zeigen die Berechnungen der Empa-Forscher, dass die winzigen Gummipartikel aus Reifenabrieb und – zu einem geringen Anteil – aus Kunstrasen zumindest mengenmässig ein viel grösseres Problem darstellen.

Reifenabriebspartikel

Partikel aus Reifenabrieb. Bild: Kreider et al.

Mikrogummi

Reifenabrieb entsteht durch Reibung des Reifens mit der Strasse. Ein PKW-Reifen wiegt daher am Ende seiner Lebensdauer – nach durchschnittlich vierjährigem Gebrauch – 1 bis 1,5 kg weniger. Reifenabrieb kommt nicht in Reinform vor, sondern immer in Kombination mit Anteilen des Strassenbelages und weiteren freien Partikeln von der Strassenoberfläche. Die Partikel sind etwa 5 – 350 µm gross (im Mittel 100 µm) mit einer Dichte von 1,8 g/cm3 bei Reifen- und Strassenabrieb; bei reinem Gummiabrieb beträgt die Dichte ca. 1,2 g/cm3. Sie sind so schwer, dass sie nicht über längere Zeit in der Luft schweben, sondern sich ablagern.
Reifenabrieb enthält verschiedene kritische Stoffe: Zink, aber auch Blei, Cadmium und Weichmacher. Die Abriebpartikel reichern sich permanent in der Natur an und können von Organismen aufgenommen und kaum abgebaut werden.

rau.tu-berlin.de

Von allen in die Umwelt freigesetzten, polymer-basierten Mikropartikeln bestehen nur sieben Prozent aus Plastik, 93 Prozent aus Reifenabrieb. «Die Menge von Mikrogummi in der Umwelt ist riesig und somit höchst relevant», liess sich Nowack in einer Mitteilung der Empa vom Donnerstag zitieren.

Randstreifen aus Mikrogummi

Das abgeriebene Gummi wirbelt zunächst durch die Luft und landet auf den Streifen rechts und links der Fahrbahn. Etwa drei Viertel der Gesamtmenge der Gummipartikel bleiben auf einem fünf Meter breiten Streifen abseits der Strasse, wie die Empa schrieb. Rund vier Prozent gelangen in die restlichen Böden, 22 Prozent landen in Gewässern.

Wo landen Gummipartikel aus Reifenabrieb?
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749119333998?via%3Dihub#undfig1

Bild: Sciencedirect

«Der Anteil von Reifenabrieb am eingeatmeten Feinstaub liegt auch an verkehrsnahen Standorten im tiefen einstelligen Prozentbereich.»

Christoph Hüglin, Empa

Zumindest aus den Strassenabwässern wird der Reifenabrieb mittlerweile besser entfernt, so dass deutlich weniger Mikrogummi in Gewässern landen dürfte. Seit dem Jahr 2000 bestehen schärfere Regeln zur Wiederaufbereitung von Wasser und zur Verhinderung der Verschmutzung von Böden.

Gefahr für den Menschen gering

Trotz der eindrücklichen Menge an Mikrogummi schätzt Christoph Hüglin von der Empa das Risiko für den Menschen als gering ein. «Der Anteil von Reifenabrieb am eingeatmeten Feinstaub liegt auch an verkehrsnahen Standorten im tiefen einstelligen Prozentbereich», zitiert Hüglin die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2009.

Nowack betont zudem, dass zwischen Mikrogummi und Mikroplastik ein erheblicher Unterschied bestehe, so dass sich die Partikel kaum vergleichen liessen.

Das Forschungsteam nutzte für seine Berechnungen Daten zum Import und Export von Reifen. Auf dieser Basis modellierten die Wissenschaftler dann das Verhalten von Gummi auf Strassen und in Strassenabwasser. Von den Ergebnissen berichteten sie im Fachblatt «Environmental Pollution». (dhr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Indien versinkt im Plastik

1 / 23
Indien versinkt im Plastik
quelle: epa/epa / jaipal singh
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Wir müssen aufhören Plastik zu brauchen»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum Tausend Schweizer Hobby-Forschende eine Unterhose im Garten vergraben

Ein Team der Forschungsanstalt Agroscope und der Universität Zürich hat ein Mitmach-Projekt lanciert, um die Bodenqualität schweizweit zu erforschen. Unterstützung erhalten sie von tausend Freiwilligen, die Baumwoll-Unterhosen vergraben werden.

Billionen von Kleinstlebewesen tummeln sich im Boden. Je vielfältiger die Welt der Pilze, Bakterien und anderen Organismen ist, desto gesunder der Boden. Denn die winzigen Bewohner futtern Pflanzenreste auf und machen die darin enthaltenen Nährstoffe …

Artikel lesen
Link zum Artikel